Lexikon der Filmbegriffe

Suture

von frz. suture = Naht

Ursprünglich von Lacan stammend - hier war die Verknüpfung von Subjekt und Symbolischem resp. mit der Kette der Signifikation gemeint –, wurde die Metapher der suture von Oudart als Beschreibung der Artikulation der Beziehung zwischen dem Zuschauer und der filmischen Signifikation benutzt. Populär (und handhabbar) wurde das Modell in der Interpretation von Dayan: Weil das jeweils andere Bild in der Schuss-Gegenschuss-Montage als off-screen desjenigen, das auf der Leinwand zu sehen ist, im Bewusstsein gehalten wird, haben einige Autoren versucht, die Bewegung von on-screen / off-screen als grundlegende Rezeptionsform des Films festzumachen, in der der Zuschauer in den filmischen Text integriert werde: Der Schuss-Gegenschuss bildet eine „Nahtstelle“, wie man in Anlehnung an die Metapher der „Suture“, die der Theorie den Namen gab, sagen könnte, eine Nahtstelle, an der die filmische Struktur und die komplementär darauf bezogene Aktivität des Rezipienten „aneinandergenäht“ werden.

Literatur: Dayan, Daniel: The Tutor-Code of Classical Cinema. In: Film Quarterly 23,1, 1974, S. 22-31. – Heath, Stephen: Notes on suture. In: Screen 18,4, 1978, S. 48-76. – Oudart, Jean-Pierre: Cinema and suture. In: Screen 18,4, 1978, S. 35-47. – Rothman, William: Against "The system of the suture". In: Movies and methods. 1. Ed. by Bill Nichols. Berkeley: University of California Press 1976, S. 451-459.
 

Referenzen:

Zentripetalität / Zentrifugalität des Filmbildes


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


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