Lexikon der Filmbegriffe

Hixploitation

auch: Hicksploitation; Hick flick; Hicks flicks; gelegentlich auch: Hillbilly flick/flicks; Hillbilly horror; Redneck cinema; Rural melodrama

Nach der Vorlage von Sexploitation und Blaxploitation gebildetes Kofferwort aus engl. hicks (kontrahiert zu hix) + exploitation „Ausbeutung“. Das Substantiv hick (Plural hicks/hix) wird im Amerikanischen für „Landmensch, Bewohner einer abgelegenen, zurückgebliebenen Gegend“ gebraucht, wobei die Konnotationen zwischen linkisch-naivem, gutgläubig-frommem Farmer und Bauerntölpel („hayseed“), patriotischem Einfaltspinsel („Landei“, „Hinterwäldler“) und verschrobenem, tierhaft-bösartigem Sadisten und schließlich mordendem Freak eine große Bandweite haben.

Filmgeschichtlich sind grob zwei Phasen der Hixploitation zu unterscheiden:

(1) Mit einem bis heute immer wieder angespielten, „Hix Nix Stix Flix“ überschriebenen Variety-Artikel von 1935 wurde das Ende der beliebten Hollywood hick flicks, einer Spielart des ländlichen Melodramas (rural melodrama), vorbereitet, in dem witzig-verschlagene, wenngleich manchmal auch rassistisch angehauchte Landärzte, Apotheker, Richter usw. ihr Publikum mit derbem Mutterwitz, Schlagfertigkeit und handfestem Zupacken zu erfreuen wussten, d.h. die Aufgabe jenes Typus von Landarzt-Filmen, wie sie die Fox Film Corporation mit Stars wie Charles Ray oder Will Rogers in Produktionen wie John Fords Doctor Bull (1933) und Judge Priest (1934) oder David Butlers Dorfapotheker-gibt-auch-mal-den-Tarzan-Komödie Handy Andy (1934) realisierte.
(2) Dieser letztlich harmlose Typ des bauernschlauen und sturen „hick“ (wie er in Crocodile Dundee und Forrest Gump noch bis heute nachklingt) wird in den 1960er und 1970er Jahren in härtere, miesere, bösartigere Varianten fortentwickelt. Vor allem im Süden der USA werden abgelegene Bordell- und Kneipenwelten zwischen Tankstelle, Supermarkt und Schrottplatz angesiedelt, deren Figurenpark einer darwinistischen Soziologie der White Trash-Subkultur zu entspringen scheint: sadistische Dorfsheriffs mit Allmachtsphantasien, zwielichtige Trucker, schwachsinnige Tankwarte, parteiliche Dorfrichter, verdächtige Landärzte, paranoide, geil-debile Moralprediger, korrupte, perverse Politiker, jede Menge Schnapsbrenner und Schmuggler („Moonshiners“), Prostituierte, Freaks, Zwitterwesen (auch sexuelle), psychopathische Unholde und bösartige Kreaturen bis hin zu Wald- oder Sumpfmenschen (die ihre Apotheose in Wes Cravens The Swamp Thing, 1982, finden). Als Beispiele seien die Sheriff-Geschichte Walking Tall (1973, Phil Karlson), die Rassismus-Parabel Shanty Tramp (1967, Joseph G. Prieto), das Road-Movie White Lightning (1973, Joseph Sargent) oder der Gangsterfilm Bloody Mama (1970, Roger Corman), mit Shelley Winters als schießwütiger Ma Barker, genannt. Last Night at the Alamo (1983, Eagle Pennell) ist ein melancholisch-derber Abgesang auf das Genre. Einige Hixploitation-Filme hatten (und haben) in den Autokinos und Kinosälen der amerikanischen Provinz über Jahrzehnte anhaltenden Erfolg.

Literatur: Von Doviak, Scott: Hick flicks: the rise and fall of redneck cinema. Jefferson, NC: McFarland 2005.

Referenzen:

Hinterwäldler-Film


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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