Lexikon der Filmbegriffe

Kettensträflinge

engl.: Chaingang; entstammt der Strafvollzugspraxis, Gefangene zu Zwangsarbeiten vor allem im Straßenbau heranzuziehen; um die Gefangenen an der Flucht zu hindern, wurden sie mit Ketten und Fußfesseln aneinander gefesselt

Der Gangsterfilm I Am a Fugitive from a Chain Gang (1932; man denke auch an den wenige Monate älteren Film Hell‘s Highway, 1932, der ebenfalls im Straflager spielt) erzählt die Geschichte eines Weltkriegsheimkehrers, der unter falschen Verdacht und schlussendlich in ein brutales Strafflager gerät, in dem er in Ketten harte Arbeit verrichten muss: Dieser Film machte das Bild der Kettensträflinge bekannt. Es ist mehrfach in kritischen Gefängnisfilmen wieder aufgenommen worden (wie in Chain Gang, 1950, oder in Deep Valley, 1947), spielt allerdings oft nur eine eher zweitrangige Rolle (wie in Cool Hand Luke, 1967, in dem die Fesselung zur Strafverschärfung dient, oder in Mean Dog Blues, 1978, in dem es primär um soziale Auseinandersetzungen im Gefängnis geht).
Das Motiv wird narrativ meist erst dann interessant, wenn Gefangene fliehen und dabei aneinander gefesselt sind – wie die beiden Helden in Papillon (1973) oder die drei Flüchtlinge in O Brother Where Art Thou? (2000). Immer geht eines der ersten Bemühen der Flüchtlinge dahin, sich der Ketten zu entledigen. Das eint das Motiv im Übrigen mit Filmen wie Hitchcocks The Thirty-Nine Steps (1939), in dem der Held bei einer Gefangennahme an eine Frau gefesselt wurde, die er erst noch davon überzeugen muss, dass er unschuldig ist. Stanley Kramers The Defiant Ones (dt.: Flucht in Ketten, 1958; Remake 1985) erzählt die Flucht eines Weißen und eines Schwarzen, die mit Ketten aneinander gebunden sind; der Film thematisiert gerade die Zwangsnähe der beiden Akteure, die beide heftige rassistische Vorurteile haben.
Von allgemeinerem Interesse ist O Brother Where Art Thou? (2000), in dem das Kettenmotiv eine allgemeinere Metapher für gesellschaftliche Kontrolle wird – auch die Kinder des Helden werden beim Gang in die Stadt aneinander gebunden, so dass die einen immer die anderen bewachen müssen.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: HHM


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