Lexikon der Filmbegriffe

Produktionszyklus

engl.: Production Cycle

Besonders – und vor allem unerwartet – kommerziell erfolgreiche Filme haben in der Industrie mitunter zur Folge, dass sie einen Zyklus ähnlich gelagerter Produktionen auslösen. Dies für den Fall, dass sich ihr Erfolg in den Augen der Studiobosse, Produzenten und führenden Branchenvertreter wiederholen lässt und kein einmaliges Ereignis darstellt (non-reoccurring phenomenon); scheitert der nachfolgende Film an der Kasse, kann dies schnell das Ende des entstehenden Zyklus bedeuten. Produktionszyklen werden also primär in der Praxis von Produktion, Marketing und Rezeption (Kinopublikum) und weniger von filmkritischen oder -theoretischen Diskursen bestimmt. Meist bewegen sie sich im Bereich des Subgenerischen, sind oft an bestimmte Stars und Star-Images gebunden und halten sich in der Regel nicht länger als einige Jahre, bevor die Formel erschöpft ist und/oder der Zeitgeist in eine andere Richtung weht; Überlappungen mit dem Sequel-Phänomen, der Serie und Stilrichtung kommen auch vor. So führte der große Erfolg von Jonathan Demmes Psychothriller The Silence of the Lambs (USA 1991) in der ersten Hälfte der 1990er Jahre zu einer ganzen Reihe von Serienmörder-Filmen; vergleichsweise langlebiger, wenn auch mit größeren Intervallen, sind die für den Weltmarkt konzipierten Brit-Comedies nach Four Weddings and a Funeral (Großbritannien 1994, Mike Newell), jeweils mit Hugh Grant als Prototyp des verklemmten Engländers in einer tragenden Rolle. Auch das Kunstkino kennt den Produktionszyklus – vgl. etwa die dänische Dogma-Bewegung. Historische Zyklen können von Kritik und Filmwissenschaft dann als Genres konzipiert werden, wenn sie eine Neuauflage in veränderter Form erfahren, wie etwa der Katastrophenfilm, dessen aus heutiger Sicht biederer 1970er-Jahre-Zyklus nach Die Hard (USA 1988, John McTiernan) in den 1990er Jahren actiongepackt aufgefrischt wurde und mit Titanic (USA 1997, James Cameron) immer noch die Hitparade der kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten anführt.

Literatur: Neale, Steve: Genre and Hollywood. London [etc.]: Routledge 2000.

Referenzen:

Zyklus II: Erfolgsvariation


Artikel zuletzt geändert am 27.07.2011


Verfasser: HMT


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