Lexikon der Filmbegriffe

Event-Movie

(1) Bezeichnung für Filme, deren Start zu einem besonderen medialen Ereignis ausgeweitet wird und die somit ein Element der Alltagskommunikation werden. Nur wenige, meist sehr hoch budgetierte Filme erreichen den Status eines Event-Movies. Der Begriff folgt jedoch keiner einheitlichen Definition. Aus wirtschaftlicher Sicht kann man das Event-Movie als eine Strategie der Risikominimierung beschreiben. Es führt bestehender Konzepte Hollywoods weiter (Blockbuster, High Concept) und antizipiert bewusst die Auseinandersetzung des Zuschauers mit den Inhalten der Filme. Diese Inhalte sind meist, um die Anschlussfähigkeit an die Alltagskommunikation zu erhöhen, schon vor dem Start Bestandteil der Populärkultur (Buch-, Computerspiel- und Comicverfilmungen, Sequels). Basierend auf solchen bereits etablierten Elementen werden Event-Movies mit hohem Marketingaufwand gestartet. Die Auswertung zielt darauf ab, verschiedene Zielgruppen ins Kino zu locken. Die Vermarktung im lukrativen Bereich des Home Entertainment wird zentraler Bestandteil des Event Movies, um die hohen Investitionen in Produktion und Marketing zu decken. Filmreihen wie Star Wars, Lord of the Rings, Spider-Man oder Harry Potter stellen Beispiele für erfolgreiche Event-Movies dar.

Literatur: Blanchet, Robert: Blockbuster. Ästhetik, Ökonomie und Geschichte des Postklassischen Hollywoodkinos. Marburg: Schüren 2003. – Jöckel, Sven: „Der Herr der Ringe“ im Film. Event-Movie – postmoderne Ästhetik – aktive Rezeption. München: Reinhard Fischer 2005. – King, Geoff: New Hollywood Cinema. An Introduction. London/New York: Tauris 2002. – Schwenger, Birgit: Strategien des Ereigniskinos. „Star Wars“ als neues Erfolgskonzept Hollywoods. Bochum: Paragon 2002.

(2) dt. oft: Eventfilm

Film, der auf einem „Event“ wie Betriebsfeiern, Sportveranstaltungen, Modeschauen, Volksfesten, aber auch Messen, Gartenschauen und ähnlichem als Werbefilm für einen (meist lokalen) Anbieter eingesetzt und oft auch eigens zu diesem Zweck produziert wird. Derartige „Eventfilme“ werden heute auf den Homepages der Firmen zugänglich gehalten.

(3) Ist Filmtheorie meist auf den Film als Werk resp. als Text orientiert, muss sich eine Kino-Theorie auf die Kino-Situation als soziale Situation konzentrieren. Hier ist der Film nur noch eine der Stellgrößen komplexer sozialer und semiotischer Funktionen und Prozesse. Das Kino als Ort der Aufführung des Films ist ein komplexes kulturelles Gefüge, in dem die Interessen der Zuschauer, die Strukturen des Textes, Kodifizierungen von Freizeit, ideologische Funktionen der Texte aufeinanderprallen.

Literatur: Altman, Rick: Cinema as Event. In: Sound theory, sound practice. Ed. by Rick Altman. New York/London: Routledge 1992, S. 1-14. – Maltby, Richard / Stokes, Melvyn / Allen, Robert C. (eds.): Going to the Movies. Hollywood and the Social Experience of Cinema. Exeter: University of Exeter Press 2007 (Exeter Studies in Film History.).

Referenzen:

High Concept


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: SJ JH AS


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