Lexikon der Filmbegriffe

Militainment

engl., als Kofferwort aus military und entertainment

Seit Mitte der 1990er Jahre allgemeine Bezeichnung für unterhaltsame Berichterstattung über Kriegsereignisse oder Militärbelange, aber auch für Spielfilme und Serien, Simulationen, Rollen- und Computerspiele. Es gehört heute zum Programm US-amerikanischer Militärpolitik, Kooperationen mit der Unterhaltungsbranche zu intensivieren und unter hohem finanziellem Aufwand Produkte zu fördern, die kriegerische Auseinandersetzungen verharmlosen, die Legitimität des eigenen Engagements unterstützen und die als Beitrag zur gewünschten politischen Sozialisation angesehen werden können.
Zu den ersten Genres des Militainments gehörte der Spielfilm. Oft wird Top Gun, 1985, als erster bedeutende neuere Film genannt; inzwischen haben sich Produzenten wie Jerry Bruckheimer, die eher martialisch-flache Action-Darstellungen bevorzugen, dem Militainment-Boom angeschlossen; neuere Produktionen sind etwa Pearl Harbor, 2001, und Black Hawk Down, 2002. Neuere TV-Genres, die dem Militainment zugerechnet werden, sind vor allem Reality-Soaps, die an aktuellen Kriegsschauplätzen spielen (Profiles From the Front Line, ABC 2002, der von den Scott-Brüdern produzierte AFP: American Fighter Pilot, CBS 2002, über das Training von drei F-15-Piloten, oder auch das Military Diaries Project, VH1 2002, alle in Afghanistan angesiedelt). Dazu rechnen aber auch narrative Nachrichtenformate wie die Befreiung der Soldatin Jessica Lynch aus einem irakischen Hospital (2003), die nach Maßgabe des Action-Kinos inszeniert wurde. Die Geschichte des „militärisch-industriellen Medien-Unterhaltungs-Netzwerks“, wie James Der Derian, der erste Kritiker, der das Phänomen politisch und theoretisch reflektierte, es nannte, weist aber zurück bis zum 1. und 2. Weltkrieg, als das Pentagon begann, mit der Filmindustrie zu kooperieren – eine Zusammenarbeit, die nie ganz aufgehört hat, im Afghanistan- und Irak-Krieg zu neuer Intensität fand und sogar neue Formen hervorbrachte.

Literatur: Der Derian, James: Virtuous War: Mapping the Military-Industrial-Media-Entertainment Network. Boulder, Col.: Westview Press 2001. – Der Derian, James: Cyberspace as Battlespace: The New Virtual Alliance of the Military, the Media and the Entertainment Industry. In: Living with Cyberspace. Technology & Society in the 21st Century. Ed. by John Armitage and Joanne Roberts. New York: Continuum 2002, S. 61-71. – Spigel, Lynn: Entertainment Wars: Television Culture after 9/11. In: American Quarterly 56,2, 2004, S. 235-270 . – Stockwell, Stephen / Muir, Adam: The Military-Entertainment Complex: A New Facet of Information Warfare. In: Fibreculture 1, 2003, URL: http//journal.fibreculture.org/issue1/issue1_stockwellmuir.html.

Referenzen:

warnography


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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