Lexikon der Filmbegriffe

Proben: Anfänge

Proben wurden im amerikanischen Film spätestens ab 1907 mit der endgültigen Durchsetzung des fiktionalen Films als zentralem Produkt der Filmwirtschaft üblich. Dauer und Art der Proben war von der Filmfirma und dem Regisseur abhängig. D.W. Griffith war z.B. bekannt für seine ausführlichen Proben, auf denen er oft auch die zu erzählende Geschichte änderte und entwickelte. Griffith‘ Probenmethode kommt offensichtlich, wie er selbst, vom Theater. Die Proben dienten ihm aber auch dazu, seine Schauspieler zu einem im Vergleich zum Theater realistischeren Darstellungsstil zu bringen.
Mit dem Einakter als Standardformat der Filmwirtschaft wurden Proben auch zum Mittel, um die Länge einzelner Szenen und damit des gesamten Films im Vorhinein zu kennen. Proben waren nicht nur für die Schauspieler nötig, sie boten auch dem Kameramann und der technischen Crew die Möglichkeit, Beleuchtung, Kamerapositionen etc. einzustellen und nachzujustieren. Spätesten ab 1922 wurden debei so genannte Stand-ins verwendet, Doubles für die Schauspieler, die zur Ausleuchtung und technischen Vorbereitung des Drehs dienten. Auch Mack Sennet verwendete Proben zur Entwicklung der zu verfilmenden Geschichten. Seine Gag-Men erarbeiteten Scenarios; diese wurden in seiner Anwesenheit geprobt, Änderungen schriftlich festgehalten. Danach gab Sennett die Produktion an einen Regisseur weiter. Proben fungierten zu dieser Zeit auch als Mittel zur Kontrolle.
Mit der Durchsetzung eines detaillierten Drehbuchs, des sogenannten Continuity Scripts, wurde eine vom Theater kommende Probenarbeit zunehmend durch spezifischere, vor allem technische Proben abgelöst, wie man sie bis heute kennt.

Literatur: Pearson, Roberta E.: Eloquent Gestures. The Transformation of Performance Style in the Griffith Biograph Films. Berkeley/Los Angeles/Oxford: University of California Press 1992. – Macgowan, Keith: Behind the Screen. The History and Techniques of the Motion Picture. New York: Delacorte Press 1965.


Artikel zuletzt geändert am 27.07.2011


Verfasser: CT


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