Lexikon der Filmbegriffe

Ablenkungsfilm

Ablenkung ist eine der Erscheinungsformen des Unterhaltenden – die alltäglichen Probleme treten für die Dauer eines Films zurück, der Zuschauer ist auf Anderes, Erfreulicheres konzentriert. Ablenkung ist eine der elementaren ideologischen Funktionen des Kinos (und der Künste im Allgemeinen). Sie ist keine offene Propaganda, sondern setzt der Realität stillschweigend etwas anderes – oft Unpolitisches – entgegen, das in sich begehrenswert ist oder als solches gesetzt wird, das imaginäre Befriedigungen verschaffen kann und gerade darum das Individuum entlastet. Viele Unterhaltungsfilme der Nazi-Zeit „lenken ab“: In Kleider machen Leute (1940) verpfuscht der von Heinz Rühmann gespielte Schneidergeselle Wenzel einen Frack; kurzerhand wird er von seinem Meister vor die Tür gesetzt, den Frack darf er behalten; er zieht ihn über – und wird prompt für einen russischen Adeligen gehalten, der inkognito reist. Neuere Beispiele finden sich in Daily-Soaps wie Marienhof (1995ff) – hier stehen die Beziehungsspiele im Ensemble der Stammrollen, die Homogenität der sozialen Bezugsmilieus, die Abwesenheit von Themen wie Arbeitslosigkeit der äußeren Realität offen gegenüber.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HHM


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