Lexikon der Filmbegriffe

Frock flick

von engl. frock = „Kleid, Kittel“, wie in dem Ausdruck frock-coat = „Gehrock“

(1) Frock flick ist eine durchaus despektierlich gemeinte Bezeichnung für einen (britischen) Kostümfilm, in dem mittels Requisiten und altertümelnder Bekleidung und Mode der Schauspieler die Anmutung vergangener Jahrhunderte, vorzugsweise des 17. bis 19. Jahrhunderts, hervorgerufen werden soll. Die britische Produktionsfirma Gainsborough Pictures verstand es insbesondere unter dem Einfluss des ehemaligen Hollywood-Drehbuchautors R.J. Minney, während der Kriegszeit 1942-1946 visuell aufwendige, erfolgreiche Kostümfilme wie z.B. The Wicked Lady (1945, Leslie Arliss, im 17. Jahrhundert angesiedelt) oder Caravan (1946, Arthur Crabtree, im 19. Jahrhundert spielend) hervorzubringen, d.h. Filme, deren Personal aus Adeligen, Zigeunerinnen usw. besteht und deren Geschichten um moralisch „bedenkliche“ Liebschaften kreisen und dabei an Themen der Trivialliteratur erinnern. Elegante Stars wie die Engländer Stewart Granger oder James Mason spielten hier ihre ersten Rollen.
(2) Die Bezeichnung taucht im neueren Kostümfilm wieder auf. Zahlreiche Romane, die dem englischen bzw. amerikanischen literarischen Nationalerbe (heritage) zugerechnet werden, wie z.B. Henry James‘ The Bostonians oder E.M. Forsters A Room with a View, wurden durch das Produktions-Regie-Gespann Imail Merchant & James Ivory filmisch als aufwendige Ausstattungs- und Kostümfilme realisiert, die in der englischsprachigen Filmkritik gern als Frock flicks tituliert werden. Gleiches gilt für Produktionen wie Shekhar Kapurs Elizabeth (1998, über die englische Regentin Elisabeth I.) oder auch für Jane Campions Mitte des 19. Jahrhunderts auf Neuseeland spielenden Film The Piano (1993).

Literatur: Cook, Pam: Fashioning the nation: costume and identity in British cinema. London: British Film Institute 1996. – Cook, Pam: Neither here nor there: national identity in Gainsborough costume drama. In: Dissolving views: key writings on British cinema. Ed. by Andrew Higson. London/New York: Cassell 1996, S. 51-65. – Cook, Pam (ed.): Gainsborough Pictures. London / Washington: Cassell 1997. – Higson, Andrew: English heritage, English cinema: costume drama since 1980. Oxford / New York: Oxford University Press 2003.

Referenzen:

Austenmania

heritage movies

Kostümfilm

Janespotting


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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