Lexikon der Filmbegriffe

Kuriositätenkabinett

von lat. curiosus = sorgfältig, interessiert, aufmerksam, wissbegierig, neugierig; auch: Wunderkammer; engl.: cabinet of curiosities

Kuriositätenkabinette stellten Mineralien und Korallen, ausgestopfte Tiere, mysteriöse Fossilien, aber ebenso Wachsbildnisse und Totenmasken, kunstvolle Elfenbeinschnitzereien, Gemälde und Skulpturen, Exotika und Antiken, naturwissenschaftliche Instrumente und Automaten aus – die Vielfalt des ganzen Kosmos der natürlichen, künstlichen und naturwissenschaftlichen Welt fand sich in einer sinnreichen Zusammenstellung im Kleinen zusammengefasst in den Kunst- und Wunderkammern von der Renaissance bis ins 19. Jahrhunderts (nach einer ganzen Reihe von Vorformen aus dem Mittelalter). Die Kabinette inszenierten ein „polyphones Spiel“ mit Form und Bedeutung, das das Auge in einen „Schwindelzustand“ zu versetzen suchte. Erst im 19. und 20. Jahrhundert gingen die Kuriositätenkabinette in wissenschaftliche Museen über.
Heute ist Kuriosität als „Seltsamkeit“ oder „Merkwürdigkeit“ verstanden und wird eher abfällig gebraucht. Ein Kabinett der Kuriositäten ist eine unsystematische Sammlung von verrückten Dingen, überflüssigen Erfindungen, schrägen sozialen Typen, abstrusen medizinischen Erfindungen und ähnlichem mehr.

Literatur: Blei, Franz: Das Kuriositäten-Kabinett der Literatur. Hannover: Steegemann 1924. – Impey, Oliver [...]: The Origins of Museums: The Cabinet of Curiosities in 16th and 17th Century Europe. Oxford: Clarendon Press 1986. – Mauries, Patrick: Das Kuriositätenkabinett. Köln: DuMont 2003.

Referenzen:

Dime Museum


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: HHM


Zurück