Lexikon der Filmbegriffe

Samuraifilm

engl.: samourai film

Der seit dem 10. Jahrhundert bekannte Samurai (wörtlich übersetzt: „Diener“) war ein Kämpfer im Dienst eines „Daimyo“, eines Provinzfürsten. Eine Analogie zum ritterlichen Ehrbegriff kann man im „Bushido“ (wörtlich: „Der Weg des Kriegers“) sehen. Dieser ungeschriebene, über Jahrhunderte entwickelte und wechselseitig von Buddhismus, Shintoismus und Konfuzianismus geprägte Verhaltenskodex verpflichtete den Samurai zu sieben Prinzipien: Gerechtigkeit, Mut, Mildtätigkeit, Freundlichkeit, Wahrhaftigkeit, Ehre und Loyalität seinem jeweiligen Herrn gegenüber. Aus den Reibungen zwischen individueller und gesellschaftlicher Ebene ergeben sich nicht selten die beiden Grundkonflikte des Samuraifilms: Im ersten Fall („Giri-Ninjo“-Konflikt) stehen die individuellen Wünsche des Samurai („Ninjo“) in Opposition zu seiner Verpflichtung, dem Kodex bzw. seinem Herrn zu gehorchen („Giri“). Im zweiten Fall verletzt jemand seine Ehre oder zwingt ihn, selbst gegen den Ehrenkodex zu verstoßen. Die Konsequenz ist in beiden Fällen der Griff zur Waffe: Entweder in Form von Rache oder in der des ehrenvollen Selbstmords Harakiri (oder auch „Seppuku“), mit dem der Samurai sein Gesicht wahren kann.
Wie der Western ist der Samuraifilm ein altes, in der japanischen Kinematographie sehr früh auftretendes Genre (in den 1910er und 20er Jahren entstanden an die 1000 Samuraifilme mit dem Kabuki-Darsteller Matsunosuke Onoe, nur vier oder fünf blieben erhalten), und wie der Western produziert er Serien-Helden (etwa in der Serie um Zato Ichi). Die Ähnlichkeit zum Western mag man weiterhin an den verschiedenen Remakes ablesen: Akira Kurosawas Shichinin No Samurai wurde zu John Sturges‘ The Magnificent Seven (1960), sein Yojimbo (1960) zu Sergio Leones Per Un Pugno Di Dollari (1964), sein Rashomon (1951) zu Martin Ritts The Outrage (1964).
Das große Paradox des Samuraifilms liegt darin, dass die weit überwiegende Zahl der Filme in der Tokugawa-Periode (1600-1868) angesiedelt ist, in der die Samurai sozial und politisch überflüssig wurden. Eine funktionierende Zentralregierung übernahm die Macht im Land, die Kämpfe der lokalen Potentaten fanden ein Ende, und die Samurai wurden herrenlos, wurden zu so genannten „Ronin“. Sie hatten plötzlich Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Und so sieht man in den meisten Filmen Samurai in wenig ehrenvollen Situationen. Einen, der seine Zeche im Teehaus abarbeiten muss: Bakumatsu Taiyo-Den von Yuzo Kawashima (1957). Einen, der auf alle Ehre pfeift und sich für die Gangsterbande verdingt, die am besten zahlt: Yojimbo. Einen, der für seinen Lebensunterhalt seine Schwertkünste vor Publikum vorführt: Goyokin von Hideo Gosha (1969).

Literatur: Buehrer, Beverley Bare: Japanese Films. A Filmography and Commentary, 1921-1989. Chicago: St. James Press 1990. – Desser, David: The Samurai Films of Akira Kurosawa. Anne Arbour: UMI Research Press 1981. – Kaminsky, Stuart: The Samurai Film and the Western. In: Journal of Popular Film 1,4, Autumn 1972, S. 312-324. – Silver, Alain: The Samurai Film. Woodstock, NY: Overlook Press 1977. – Tucker, Richard N.: Japan: Film Image. London: Studio Vista 1973.


 

Referenzen:

Ninja-Film


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJK


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