Lexikon der Filmbegriffe

Parallelmontage

engl.: cross cutting; selten: intercut

Technik der Filmmontage, bei der die aufeinanderfolgenden Einstellungen zwischen zwei oder mehr Handlungssträngen hin und her springen. Die Parallelmontage wurde bereits in frühen Filmen (The Great Train Robbery, 1903), eingesetzt, wurde von Griffith perfektioniert und ist bis heute weit verbreitet. Die beiden Handlungen, die in einer Alternation gezeigt werden, finden in aller Regel zur gleichen Zeit statt. Da die Handlungsstränge oft am gleichen Ort enden (bei Verfolgungsjagden, bei Rettungen in letzter Minute und dergleichen mehr), kann im Rhythmus des Schnitts die zunehmende Dramatik ausgedrückt und so die Spannung erhöht werden.
Parallelmontage kann aber auch neben dieser handlungsmotivierten Form themenmotiviert als „komparative Montage“ eingesetzt werden, um den Zusammenhang zwischen zwei oder mehr Ereignissen herzustellen, die nicht gleichzeitig stattfinden. In D.W. Griffiths A Corner in Wheat (1909) etwa wird zwischen einem wohlhabenden Geschäftsmann und nach Brot anstehenden Menschen hin- und hergeschnitten, um nicht nur den Kontrast zwischen den Lebenswelten anschaulich zu illustrieren, sondern auch deutlich zu machen, dass der eine am Leid der anderen verdient. In Hans Steinhoffs Kompilationsfilm Gestern und heute (1938) liegt das Parallelschema ‚Bilder aus dem Leben gestern / Bilder aus dem Leben heute, nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland‘ dem ganzen Film zugrunde.
Ein dritter, allerdings seltenerer Typ ist eine diegetisch motivierte Parallelmontage. Hier werden zwei modal verschiedene Situationen ineinander verschachtelt, so dass sie als analoge erscheinen, obwohl zwischen ihnen meist ein Verursachungsverhältnis vorliegt. Ein sehr umfassendes Beispiel ist Karel Reisz‘ Film-im-Film The French Lieutenant‘s Woman (1981), der als ganzer Film von der Parallelität der Szenen auf den beiden Realitätsstufen lebt, der zudem auch zeigt, wie sich die Szenen in der Realität der Akteure auf Grund der Szenen des Spiels, das sie inszenieren, verändern.
Manchmal wird die Parallelmontage als Effektmittel eingesetzt: Eine Alternation zwischen einem rennenden Mann und einem auf die Kamera zurasenden Zug suggeriert beispielsweise, der Mann laufe vor dem Zug davon.

Literatur: Elling, Elmar / Möller, Karl-Dietmar (Hrsg.): Untersuchungen zur Syntax des Films. 2. Alternation / Parallelmontage. Münster: MAkS Publikationen 1985.

Referenzen:

alterniertes Syntagma

Assoziationsmontage

cross cutting

Last-Minute-Rescue

paralleles Syntagma

switchback

Verfolgung, Verfolgungsjagd


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück