Lexikon der Filmbegriffe

Sepia

von: sepia = Tintenfisch; Sepioida ist die Ordnung der Tintenfische

Zur Tarnung verfügen Tintenfische über einen Farbbeutel, der eine dunkle Flüssigkeit enthält und der entleert wird, sobald das Tier Gefahr wittert. Aus diesem Farbstoff wurde eine Flüssigkeit gewonnen, die auf Fotopapiere aufgestrichen wurde, so dass der scharfe Schwarzweiß-Kontrast gemildert wurde. Heute wird die Gelb-Bräunung alter Fotos meist fälschlicherweise als „Vergilbung“ ausgegeben. Elektronisch kann mittels des „Sepia-Effekts“ Bildern eine künstliche „Alterung“ erzeugt werden.
Im Film bezeichnet Sepia eine monochrome Einfärbung früher Filme mittels einer Schwefelnatriumlösung (Schwefeltonung). Sepiafärbung ist zugleich eine der wichtigsten Viragierungen des Stummfilms gewesen. Auch im Film wird Sepia als Indikator für das Alter von Bildern verwendet. Ray Harryhausens The Beast from 20.000 Fathoms (1953) wurde sogar als „in glorious Sepia“ offeriert. Mit der Sepiatönung wird aber nicht nur die Historizität von Bildmaterial angezeigt, sondern oft auch der Affekthintergrund der Nostalgie aktiviert (wie in Michael Ciminos Heaven‘s Gate, 1980, gelegentlich – etwa in der berühmten Rollschuhtanz-Sequenz – die Farbe den Bildern entzogen wird und sie ganz in den monochrom-bräunlichen Modus alter Filme übergehen).


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: JH RGI


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