Lexikon der Filmbegriffe

Vordergrund / Hintergrund

engl.: foreground / background; engl. manchmal abgekürzt als f.g. / b.g.; gelegentlich auch in einer dem Theater entlehnten Sprechweise: downstage (= Vordergrund), upstage (= Hintergrund)

Kompositionell wird oft vom Bild- oder Bühnenvorder- resp. -hintergrund gesprochen. Gemeint sind alle Objekte und Figuren, die am nächsten zur Kamera (oder am weitesten von ihr entfernt) sind. Wichtiger ist, dass damit meist auch angedeutet wird, was für die Szene, die eine Bild zeigt, wichtig oder irrelevant ist. (1) Hintergründe schließen den Handlungsraum, sie gehören zum Environment, öffnen das Bild in die Tiefe hinein. Wirklich wesentlicher Teil der Handlung sind sie meist nicht. Gelegentlich finden als Hintergrund ganze Teil- oder Nebenszenen statt, die aber – wie die Objekte – für die Handlung eigentlich nicht zentral sind. (2) Für den größten Teil der Filmproduktion gilt die Regel, dass die Kamera einen möglichst unbehinderten Blick auf die „relevante Szene“ ermöglichen solle. In wenigen Fällen wird von dieser Regel abgewichen: Dann werden gelegentlich Vordergründe gesetzt, um die Raumtiefe anzuzeigen. Manchmal sind Zweige, Mauervorsprünge und ähnliches im Bildvordergrund lokalisierte Mittel, die sich störend vor das „eigentliche Bild“ schieben und anzeigen, dass die Szene einen heimlichen Beobachter hat.
Kompositionell zentral wurden Vordergrundobjekte, die den ungehinderten Blick auf die relevante Szene oder Figur behindern, in der Bildnerei der Nouvelle Vague, ging es hier darum, die Kamera von der Szene zu lösen, ihr Eigengewicht und Auffälligkeit zukommen zu lassen. Derartige „Dekadrierungen“ (décadrages) waren Mittel, das Fotografische selbst auffällig zu machen, und wurden darum zu den reflexiven Mitteln des Kinos gezählt. 
 

Referenzen:

Anschnitt

figure lighting

Hintergrund

Repoussoir


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück