Lexikon der Filmbegriffe

Bergfilm

engl.: mountain films

Besondere Form des Heimat- oder Abenteuerfilms, der um Bergsteiger und die Lebensform im Gebirge kreist. Typisch für den Bergfilm sind heroische, selbstbestimmte und naturverbundene Menschen, häufig Einzelgänger, selten Einzelgängerinnen, die der Zivilisation entfliehen und auf der Suche nach sich selbst sind. Meist werden einfache melodramatische Geschichten erzählt, deren Höhepunkte im Schnee der Berge oder in den Felsen der Steilwände spielen. Oft geht es um Unfälle und aufwändige Rettungen in letzter Minute. Der Bergfilm zeigt in der Regel eine aufwändige Naturfotografie, die Landschaft ist dabei weniger bloße Kulisse als vielmehr elementare Naturgewalt und aktive Mitspielerin. Die Intensität des Körpereinsatzes und (zumeist männliche) Konkurrenzkämpfe bestimmen von Anfang an seine Dramaturgie.
Arnold Fanck und Luis Trenker gaben dem dramatischen Bergfilm der 1920er und 1930er Jahre sein Gesicht. Filme wie Fancks Die weiße Hölle vom Piz Palü (1926) oder Trenkers Der Berg ruft (1937) setzten den Helden in eine fast pantheistisch anmutende Metaphorik der Natur, die das Bezwingen von Steilwänden, das Erklimmen von Gipfeln etc. mit dem menschlichen Existenzkampf an sich und der Selbstbehauptung des Menschen in der Natur gleichsetzte. Insbesondere Fancks Kameraleute setzten Spezialoptiken ein, um Naturereignisse wie plötzliche Wetterveränderungen, Lawinen oder Erdrutsche visuell zu dokumentieren – der Extremität der Natur korrespondiert die Exquisitheit der filmischen Technik (erinnert sei an Hans Ertls Film Nanga Parbat, 1953; Ertl war einer von Fancks Kameramännern). Neben dem Heroismus des einzelnen ging es im Bergfilm auch um das Abgeschnitten- und Auf-sich-Gestellt-Sein. Insbesondere Trenker (Berge in Flammen, 1931, Der Rebell, 1932) behandelte Patriotismus und (nationale) Revolution im Kontext des Genres.
Von Beginn der Filmgeschichte an war das Hochgebirge Spielort verschiedenster Geschichten – utopische Gemeinschaften waren in der Unzugänglichkeit des Gebirges reserviert worden (wie in Capras Lost Horizons, 1937, oder auch Seven Years in Tibet, 1997, über Heinrich Harrers Zeit in Lhasa); manchmal spielte der Show-down von Actionfilmen im Gebirge (Cliffhanger, 1993, Renny Harlin), ein andermal diente das Gebirge als entscheidende Grenze zu Orten mystischer Selbsterfahrung (The Man Who Wanted to Be King, 1975, John Huston).

Literatur: Aspetsberger, Friedbert (Hrsg.): Der BergFilm 1920-1940. Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag 2003. – Horak, Jan-Christopher (Hrsg.): Berge, Licht und Traum. Dr. Arnold Fanck und der deutsche Bergfilm. München: Bruckmann 1997. – König, Stefan / Panitz, Hans-Jürgen / Wachtler, Michael: 100 Jahre Bergfilm. Dramen, Trick und Abenteuer. München: Herbig 2001. – Rentschler, Eric: Mountains and Modernity: Relocating the Bergfilm. In: In: New German Critique, 51, 1991, S. 137-161. Dt. in: Film und Kritik 1, 1992, S. 8-27.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: UK HJW


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