Lexikon der Filmbegriffe

SozPäd-Movie

Ein „SozPäd-Movie“ ist ein spielfilmlanger fiktionaler Kino- oder Fernsehfilm, dessen Handlung in typischen Arbeitsfeldern der Sozialpädagogik und Sozialarbeit angesiedelt ist bzw. grundlegende gesellschaftliche Zusammenhänge und Problemstellungen behandelt, mit denen Sozialpädagogen und Sozialarbeiter tagtäglich konfrontiert sind (Sozialisation, Gewalt, Rassismus, Arbeitslosigkeit etc.). Nicht jedes zwischenmenschliche Problem bedarf der Lösung durch einen Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter. Deshalb ist es wichtig, ein weiteres Abgrenzungskriterium einzuführen: die Notwendigkeit eines sozialpädagogischen/sozialarbeiterischen Handelns, das aber nicht an die Person eines Sozialpädagogen oder Sozialarbeiters gebunden sein muss.
Das Spektrum der sozialpädagogischen oder sozialarbeiterischen Handlungsfelder (samt Beispielfilmen) reicht von der

Arbeit mit behinderten Menschen, seien sie körperbehindert (z.B. Blindheit: Erbsen auf halb sechs, 2004, Gehörlosigkeit: Children of a Lesser God, 1986, Versehrtheit: Coming Home, 1978) oder geistig behindert (z.B. geistig zurückgeblieben: I am Sam, 2001, Autismus: Rain Man, 1988, Down-Syndrom: Le huitième Jour, 1996) bis zur
Straffälligenhilfe (z. B. Resozialisierung: Ausgeliefert, 2002, aber auch Todesstrafe: Dead Man Walking, 1995) und
Erlebnispädagogik (Der Felsen, 2002). Weitere sich teilweise überlappende Arbeitsfelder sind die
Jugendhilfe (Twentyfourseven, dt.: Mit geballter Faust, 1997),
Familienhilfe (z. B. Alleinerziehende: Jack & Sarah, 1995, Kindesmissbrauch: Schande, 1999),
Migrantenarbeit (Yasemin, 1988, Das Mädchen aus der Fremde, 1999),
Altenhilfe (z. B. Altersheim: Lina Braake, 1975, Alzheimer: Iris, 2001),
Sucht- und Drogenhilfe (z. B. Alkoholismus: 28 Days, dt.: Achtundzwanzig Tage, 2000, harte Drogen: Süchtig, 1986) und
Obdachlosenhilfe (Liebe deine Nächste, 1998),

Die sozialpädagogische Arbeit mit Kindern (Kindergartencop, 1990) und die soziale Arbeit mit Frauen (Gewalt gegen Frauen: Every Nine Seconds, dt.: Stunden der Gewalt, 1997, Schwangerschaftskonfliktberatung: Durch Dick und Dünn, 2001, Prostitution: Fiona, 1998) sind bei den Drehbuchautoren ebenso beliebt wie die Plotquellen Heimerziehung (Sleepers, 1996) und Adoption (Immediate Family, 1989).
Das in Bezug auf die filmische Verwendung am Besten untersuchte soziale Handlungsfeld ist der Bereich der psychischen Erkrankungen und Psychiatrie (Marnie, 1964, One Flew Over the Cuckoo‘s Nest, 1975, Border Line, 1991).

Literatur: Online-Datenbank „SozPäd-Movies“ am Fachbereich Soziales der Fachhochschule Dortmund: www.soziales.fh-dortmund.de/diederichs/sozpmov2.htm. – Wulff, Hans J.: Psychiatrie im Film. Konzeptionen der psychischen Krankheit im Film. Münster: MAkS Publikationen 1995.

Referenzen:

Behinderung

Familiendrama

Problemfilm

Resozialisierung


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HHD


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