Lexikon der Filmbegriffe

Lager

Schauplatz und Motiv im fiktionalen und dokumentarischen Film. In einer ganzen Reihe von Formen realisiert:

– Konzentrations- und Vernichtungslager: Nuit et Brouillard (Frankreich 1955, Alain Resnais); Kapo (Italien 1959, Gillo Pontecorvo); Sobibor (Großbritannien 1987, Jack Gold);
– Arbeits- und Gefängnislager: Biribi (Frankreich 1971, Daniel Moosmann); Bent (Großbritannien 1997, Sean Mathias);
– Kriegsgefangenenlager: Stalag 17 (USA 1953, Billy Wilder);
– Internierungs- und Flüchtlingslager: Alefbay-e afghan (Iran 2002, Mohsen Makhmalbaf).

In allen diesen Formen werden die elenden Lebensbedingungen der Insassen, ihre willkürliche Anonymisierung und Entmenschlichung durch die Aufseher und Aufseherinnen, das entsetzliche Morden in der Institution Lager wachgerufen. Der Anspruch der Filme variiert erheblich: Melodramen stehen neben bitteren Tragikomödien und schnörkellosen, schmerzhaften Versuchen der Vergangenheitsbewältigung; daneben finden sich Varianten des Gefängnisfilms, aber auch Exploitation-Filme (z.B. zum Motiv des „Frauencamps“). Oft geht es um die Darstellung der inneren Gewalt der Lagerwelt und ihrer Machtstrukturen – Insassen gegen Insassen, Wärter gegen Insassen, Umgang mit sozialer Abweichung im Lager, Probleme der Sexualität etc.
Im Zusammenhang mit dem Holocaust stehen filmische Lager-Schilderungen vor denselben Problemen wie literarische: Es geht immer auch um die Frage, ob nach „Auschwitz noch Gedichte möglich sind“, ob die künstlerische Auseinandersetzung mit dieser Thematik überhaupt denkbar oder erlaubt ist – nicht nur angesichts von Unbeschreibbarkeit und Sprachlosigkeit gegenüber den eigentlichen Schauplätzen, sondern auch angesichts der Schwierigkeiten mit der in künstlerischen Auseinandersetzungen unhintergehbaren Ästhetisierung an sich.

Referenzen:

Kriegsgefangenen-Film


Artikel zuletzt geändert am 24.01.2012


Verfasser: PB HHM


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