Lexikon der Filmbegriffe

Unterhaltungsfilm

Ältere und ungebräuchlich gewordene Bezeichnung für einen Film, der seine primäre Funktion in der Unterhaltung des Publikums hat (vgl. die Bezeichnungen Kintopp und Schundfilm), nicht in den Funktionen der Belehrung, Meinungsbildung oder Indoktrination.
Die NS-Film-Forschung und -Produktion setzte neben den Propaganda- den Unterhaltungsfilm. Während ersterer klar erkennbar für Orientierungen der NS-Ideologie warb, ist in letzteren ein politischer oder ideologischer Gehalt kaum nachzuweisen. In der Gesamtproduktion stehen knapp 200 Propagandafilmen mehr als 1000 Unterhaltungsfilmen gegenüber – Lustspielen, Revue-, Operetten- und Schlagerfilmen, Liebes-, Abenteuer-, Kriminal-, Ehe-, Frauen-, Heimat- und Familienfilmen.
Das ausschließliche oder dominante Rezeptionsziel des Vergnügens wird sowohl von konservativen Medienkritikern wie von linken Filmtheoretikern abgelehnt. Für die einen steht Unterhaltung in Konkurrenz zu kulturellen und pädagogischen Werten (Postman: Wir unterhalten uns zu Tode). Für die anderen überlagert Unterhaltung die tatsächlich herrschende Entfremdung und erfüllt so die ideologischen Aufgaben der Kulturindustrie.

Literatur: Hake, Sabine: Popular cinema of the Third Reich. Austin : University of Texas Press 2001. – Krebstakies, Marlies: Nationalsozialistische Prinzipien im Spielfilm der Ufa: Volksgemeinschaft – Führerprinzip – Rassismus. In: Die Ufa. Hrsg. v. Bezirksamt Tempelhof. Berlin: Elefantenpress 1987, S. 66-85. – Witte, Karsten: Lachende Erben, Toller Tag. Filmkomödie im Dritten Reich. Berlin: Vorwerk 8 1995.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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