Lexikon der Filmbegriffe

7e art

frz., = septième art = siebte Kunst

Spezifisch französische, bis heute neben „cinéma“ gebräuchliche Bezeichnung für den Film als eine eigenständige Form künstlerischen Ausdrucks. Die Kennzeichnung, die wie ihr deutsches Äquivalent „Filmkunst“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufkam, schließt nicht etwa an die – bereits sieben "Künste" umfassenden – Artes liberales des Mittelalters an, sondern bezieht sich vielmehr auf die Einteilung der ästhetischen Künste in G.W.F. Hegels „Vorlesungen über Ästhetik“ (1835-38) und reiht somit das Filmemachen den dort genannten sechs Künsten Architektur, Skulptur, Malerei, Musik, Tanz und lyrische Dichtkunst als eine eigenständige siebte Kategorie an.
Während die Attribuierung „7e art“ jahrzehntelang in erster Linie als wertende Verortung bzw. Bestätigung der Eigenständigkeit des Films verwendet wurde und gerade dadurch zu bedeutenden Leistungen speziell auf dem Gebiet der Filmtheorie beigetragen hat, bekommen im Zuge postmoderner Diskussionen von Intertextualität, Inter- und Multimedialität, Hybridität, Pastichecharakter von Kunstwerken etc. Reflexionen um Misch- und Zwischenformen der ursprünglichen Künste, um „Interart“ aus filmischer Eigenleistung, Malerei, Musik, Tanz und Lyrik, Theater und Oper neue Relevanz.
Dass der Rang des Films als 7. Kunst heute als weitgehend unumstritten angesehen wird, zeigt sich auch in der Tatsache, dass ihr die Fotografie bzw. auch das Fernsehen – allerdings in spezifisch französischer Konkurrenz zur Kochkunst – als 8. Kunst (Huitième art) nachgeordnet wird und zudem häufig Comics und Mangas als 9. Kunst (Neuvième art) angesprochen erscheinen.

Literatur: Aumont, Jacques (Hrsg.): Le septième art. Le cinéma parmi les arts. Paris: L. Scheer 2003.


Artikel zuletzt geändert am 10.12.2011


Verfasser: LK


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