Lexikon der Filmbegriffe

Unterrichtsfilm

Sondergattung des Bildungs-, Lehr- oder Instruktionsfilms: eine Filmgattung, die den schulischen Wissens- und Bildungserwerb unterstützen soll und selbst nach didaktischen Gesichtspunkten aufgebaut ist. Der Begriff taucht 1921 zum ersten Mal auf, als Ammann polemisch fordert, dass entgegen der damals üblichen Praxis, vorliegende Filme auch in der Schule zu zeigen, eigens für den Unterricht konzipierte Filme produziert werden sollten. Schon kurz nach der Jahrhundertwende waren kurze „Sachfilme“ zum Einsatz in den Schulen angeboten worden, die vor großen Schülergruppen in angemieteten Kinosälen gezeigt wurden. Ab 1910 entstanden in Deutschland sogenannte Lichtbildbühnen, worunter man sich Vereinigungen vorstellen muss, die kulturell bedeutsame Filmveranstaltungen für Schulen und ein allgemeines bildungsbeflissenes Publikum organisierten. 1918 schlossen sie sich im Bilderbühnenbund deutscher Städte zusammen. 1919 entstand die erste Bildstelle (am Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht). Eine erste Fundierung einer Didaktik des Lehrfilms wurde durch die 3. Internationale Lehrfilmkonferenz in Wien (1931) angeregt. Der Lehrfilm wurde vom „Bildungsfilm“ abgegrenzt. Und man einigte sich darauf, für den Lehrfilm auf 16mm-Sicherheitsfilm zu insistieren (ab 1934), damit war der Einsatz in den Schulen dauerhaft gesichert. 1934 gründeten die Nazis die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (RWU). Ihre Finanzierung erfolgte durch eine Pro-Kopf-Umlage von 80 Rpf pro Schüler und Jahr. Nach dem Krieg (1946) wurde die RWU in Lehrfilmproduktionsstätten und 1950 schließlich in das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) überführt. Zunehmend lösten Farb-Ton-Filme die ursprüngliche Praxis, stumme Schwarzweißfilme einzusetzen, ab. In den 1960er Jahren versuchte man kurzzeitig, das 16mm- durch das Super-8-Format zu ersetzen, ging davon aber schnell wieder ab. Als weiterer Ort der Distribution wurde das Unterrichtsfernsehen aufgebaut – beide Erscheinungsformen des Unterrichtsfilms sanken aber nach der Einführung der privat nutzbaren Videotechniken zur Bedeutungslosigkeit ab.

Literatur: Degenhard, Armin: "Bedenken, die zu überwinden sind ..." Das neue Medium Film im Spannungsfeld reformpädagogischer Erziehungsziele, von der Kinoreformbewegung bis zur handlungsorientierten Filmarbeit Adolf Reichweins. München: KoPäd-Verlag 2001. – Miller, Hannah E.: Films in the classroom. A practical guide. Metuchen, NJ: Scarecrow Press 1979. – Ruprecht, Horst: Lehren und Lernen mit Filmen. Bad Heilbrunn: Klinckhardt 1970. – Smith, Ken: Mental hygiene. Classroom films 1945-1970. New York: Blast Books 1999.
 

Referenzen:

Bildstellen

Impulsfilm

Lehrfilm

Schulfilm / Schulungsfilm

Sprechtitel


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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