Lexikon der Filmbegriffe

Keystone Kops

auch: Keystone Cops

Mit „Keystone Kops“ (bereits die „K“-Schreibung von „cops“ parodiert die Polizei) wird eine heute im englischen Sprachraum geradezu sprichwörtlich gewordene burleske, völlig inkompetente, der Lächerlichkeit preisgegebene und im Ergebnis stets völliges Chaos und Zerstörung („Keystone Mayhem“) anstatt behördlicher Ordnung herbeiführende Polizeitruppe genannt. Sie gehörte zum festen Repertoire jener mit geradezu mechanistisch zu nennenden Plotabfolgen arbeitenden Slapstick-Komödien, wie sie zwischen 1912 und 1917 in großer Zahl von der Keystone Film Company hergestellt wurden, der Filmwerkstatt des Finanziers und überaus kreativen, an französischen und italienischen Slapsticks geschulten Allroundtalents Mack Sennett (1880-1960). Gerade das scheinbar wirre Wüten der – u.a. von Schauspielern wie Hank Mann, Ford Sterling, Roscoe „Fatty“ Arbuckle und Mack Sennett selbst verkörperten – penibel uniformierten Amts- und Würdenträger auf der Leinwand, ihr planloses Durcheinanderrennen und Übereinanderstolpern beim Regeln des Straßenverkehrs wie insbesondere bei der zum Straßenrennen mutierenden Übeltäterjagd, also das sture Durchsetzen des genauen Gegenteils ihres polizeilichen Auftrags, erfreute die Herzen der zeitgenössischen Zuschauer, vornehmlich Immigranten und einfacher Arbeiter, denen die Sicherheitsbehörden ohnehin eher suspekt waren, und sichert nicht zufällig die Beliebtheit derartiger Stummfilmszenen bis heute.
Der vermutlich erste Film, in dem die Truppe auftrat, Hoffmeyer‘s Legacy (1912, Mack Sennett), gilt heute als verloren; häufiger referenziert und in Kompilationen aufgenommen finden sich Bangville Police (1913, Henry Lehrman, 8min) und Barney Oldfield‘s Race for a Life (1913, Mack Sennett, 13min). In Ralph Staubs auch Archivmaterial verwendendem 9-minütigen Tonfilm Keystone Hotel von 1935 dürfen sich die Kops noch einmal richtig austoben.

Literatur: Brandlmeier, Thomas: Filmkomiker. Die Errettung des Grotesken. Frankfurt: Fischer-Taschenbuch-Verlag 1983. – King, Robert James: The Keystone Film Company. Early film comedy and the emergence of mass culture. Diss. University of California, Los Angeles 2004. – Louvish, Simon: Keystone: the life and clowns of Mack Sennett. London: Faber and Faber 2003, bes. S. 73-74. – http://en.wikipedia.org/wiki/Keystone_Kops.

Referenzen:

Keystone Film Company

knockabout comedy

prank film

Slapstick

Tortenschlacht


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: LK


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