Lexikon der Filmbegriffe

Vampire im Film / Vampirfilm

Vampirfiktionen haben in der westlichen Kulturgeschichte eine lange Tradition. Zunächst findet sich das Motiv in der deutschen Lyrik des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert gelangt der Vampir auch in die (zunächst englische) Prosa: John Polidor „The Vampyre“ erscheint 1819. Nach dem populären Fortsetzungsroman „Varney the Vampire“ (1845) von Malcolm Rymer und J. Sheridan Le Fanus „Carmilla“ (1872) ist es vor allem Bram Stokers 1897 veröffentlichter Roman „Dracula“, der den Vampir-Stoff ins Bewusstsein der Rezipienten gerückt hat und auf dem nahezu alle frühen filmischen Adaptionen basieren. Nachdem Arthur Robinson dem Vampir in seinem Film Nächte des Grauens (Deutschland 1916) zu seinem Leinwanddebüt verhalf, erschienen in kurzer Abfolge ab 1920 immer mehr Vampirfilme. Der bis heute populärste unter ihnen ist Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu – eine Symphonie des Grauens (1922), bei dem der Regisseur wegen Urheberrechtsstreitigkeiten mit der Witwe Stokers einige Details aus „Dracula“ abändern musste, den Plot und die Figurenkonstellationen jedoch im Wesentlichen beibehielt. Ein weiterer populärer früher deutscher Vertreter des Vampirfilms ist Carl Theodor Dreyers Vampyr – Der Traum des Allan Grey (1932), der noch als Stummfilm ein Jahr nach dem genrebildenden Spielfilm Dracula (USA 1931) von Tod Browning erschien.
Spätestens mit Brownings Film begann die filmwirtschaftliche Exploration des Vampir-Genres, die bis heute hunderte Beiträge hervorgebracht hat. Höhepunkte in der Geschichte des Vampirfilms bilden Terence Fishers Dracula (Großbritannien 1957) als einer der ersten farbigen Horror- und Splatterfilme, Werner Herzogs Nosferatu – Phantom der Nacht (BRD 1979), eine Hommage an Murnau und Remake seines Films, Francis Ford Coppolas Bram Stoker’s Dracula (USA 1992), in dem der Versuch unternommen wird, Stokers Roman erstmals vollständig filmisch zu adaptieren und der ein stilbildendes Werk postmodernen Kinos darstellt, und E. Elias Merhiges Shadow of the Vampire (USA 2000), der eine fiktive Geschichte von den Dreharbeiten zu Murnaus Nosferatu erzählt und dabei die film- und kulturhistorischen Diskurse dieser Zeit reflektiert.

Literatur: Waltje, Jörg: Blood Obsession. Vampires, Serial Murder and the Popular Imagination. New York [...]: Peter Lang 2005. – Dorn, Margit: Vampirfilme und ihre sozialen Funktionen. Ein Beitrag zur Genregeschichte. Frankfurt[...]: Peter Lang 1994. - Klewer, Detlef: Die Kinder der Nacht. Vampire in Film und Literatur. Frankfurt [...]: Lang 2007. - Pirie, David: Vampir Filmkult. Internationale Geschichte des Vampirfilms vom Stummfilm bis zum modernen Sex-Vampir. Gütersloh: Prisma 1977. – Silver, Alain / Ursini, James: The Vampire Film. From Nosferatu to Bram Stoker's Dracula. London: Limelight 1976.
 

Referenzen:

ghoulie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: SH


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