Lexikon der Filmbegriffe

Verfolgung, Verfolgungsjagd

engl.: chase film, car chase

Schon im frühen Film (wie in The Motorist, 1906, Walter R. Booth) war die Verfolgungsjagd ein zentrales Motiv und dramaturgisches Muster in Abenteuer-, Action- und Gangsterfilmen sowie im Western (wie z.B. in Stagecoach, 1939, John Ford). Sowohl die narrative Konstellation wie die Bewegtheit der Akteure im Raum mögen zu seiner Attraktivität und Popularität beigetragen haben. Die Verfolgung ist wohl auch das Motiv, das wesentlich zur Herausbildung der Parallelmontage als einer Grundform der Montage beigetragen hat. Bis heute sind manche Verfolgungsjagden aktionale und visuelle Höhepunkte des Films (man denke an Bullitt, 1968, Peter Yates, oder an French Connection, 1971, William Friedkin). Als auslösende Momente können bis heute Konkurrenzkämpfe ebenso fungieren wie Rache und Jagd. Meist sind es Männer, die verfolgen, während Frauen überdurchschnittlich oft verfolgt werden (man denke an Charade, 1963, Stanley Donen, als prototypischen Fall). Manchmal umfasst das Motiv ganze Filme (wie Steven Spielbergs Duel, 1973, in dem ein Mann von einem Lastwagen verfolgt wird, oder Alfred Hitchcocks North by Northwest, 1958, in dem ein Mann ein Phantom jagt und seinerseits gejagt wird). Das Motiv steht in komplementärer Nähe zur Flucht, die den Fokus auf Paranoia, Wechselbäder von Angst und Erleichterungsgefühlen, Düsterheit und Reaktion legt, während die Verfolgung auf Aktion setzt und nicht selten eine positivere Stimmung evoziert, die die prekäre Lage der Verfolgten ignoriert (vor allem im neuen Actionfilm hat sich diese eher lustvolle, an Jahrmarktsvergnügen orientierte Darstellungsperspektive in den Vordergrund gespielt – man denke an die Mini-Cooper-Sequenzen in The Italian Job, 2003, Felix Gary Gray). Natürlich kann sich ein Film auch durch die Gleichzeitigkeit beider Perspektiven auszeichnen (wie in Sam Peckinpahs The Getaway, 1972). In der Komödie und im Zeichentrickfilm schließlich sind Verfolgungen oft Anlass zu überbordendem Klamauk (im frühen Film wie in The Goat, 1921, Buster Keaton, Mal St. Clair, ebenso wie im neueren Kino à la What‘s Up, Doc?, 1972, Peter Bodgdanovich).

Literatur: Hoefer, Georg: Die Jagd im Film. Ausführliche Analysen zu den Filmen ‚Herr der Fliegen‘, ‚La Caza‘, ‚La règle du jeu‘ [...]. Coppengrave: Coppi 1994. – Mann, Dave / Main, Ron: Races, chases & crashes. Osceola, WI: Motorbooks International 1994. – Conforti, Angelo: La soggettivita nel cinema: Duel di Steven Spielberg. In: Cineforum 27 (=264), Mai 1987, S. 56-64.
 

Referenzen:

chase film

car chase


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB AS


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