Lexikon der Filmbegriffe

Gruppenaufnahme

engl.: group-shot

Mehrere Darsteller werden abgebildet, meist in Halbtotal- bis Totalaufnahmen. Dabei handelt es sich um die Gesamtgruppe der Handelnden, die die Szene unter sich ausmachen; manchmal werden ikonographische Muster der fotografisch-gestellten Gruppenaufnahme benutzt – das gibt den Aufnahmen oft eine Art von Patina, weil die Bilder aus dem Fluss der Handlung herausfallen und einen eigenen Zeitstatus zu beanspruchen scheinen. Ein Beispiel ist In Georgien (DDR 1986, Jürgen Böttcher), in dem die Georgier, denen Böttcher während einer Reise durch das Land begegnet, sich immer wieder zu Arrangements zusammenfinden, wie man sie aus dem Posieren vor der Kamera kennt.
Oft werden aber nicht alle Akteure einer Szene in einer Gruppenaufnahme gezeigt, sondern es werden auch bildlich Gruppen „gegeneinander“ geschnitten, die inhaltlich einen Konflikt austragen. So wird in John Fords Stagecoach (1939) die Gruppe der bürgerlichen Reisenden „gegen“ den Westerner und die Dirne geschnitten. Die Gruppenaufnahme erweist sich dann als Teil einer Strategie, die sozialen Konflikte der Szene als Grundlage der visuellen Auflösung zu benutzen.

Literatur: Browne, Nick: The Spectator-in-the-Text: The Rhetoric of Stagecoach. In: Film Theory and Criticism: Introductory Readings. Ed. by Leo Braudy and Marshall Cohen. 5th ed. New York: Oxford University Press 1999, S. 148-163.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück