Lexikon der Filmbegriffe

Kubismus

In der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts entstand in der Malerei eine Strömung, die sich um radikale Vereinfachung und Stilisierung bemühte. Die Objekte der Darstellung wurden auf einfache, streng geometrische oder kristallin-periodische Strukturen zurückgeführt, manchmal auch in Facetten zerlegt. Angeregt durch die Chronphotographie Mareys spielte man mit simultan geltenden Perspektiven, die das gleiche Geschehen aus mehreren Ansichten gleichzeitig darbieten. Nach wenigen Vorläufern im Groteskfilm (Rigadin peintre cubiste, 1912, Georges Monca; dazu Fernand Legérs unvollendeter Zeichentrickfilm Charlot cubiste, 1921) sind im Avantgardefilm die Impulse des Kubismus erst spät aufgenommen worden – etwa in Marcel l‘Herbiers L‘Inhumaine (1924), in einer Traumsequenz in Jean Renoirs La Fille de l‘eau (1924) oder in einer Mars-Episode in J.A. Protasanows Aelita (1924). Eng an das künstlerische Programm des Kubismus angelehnt sind Arbeiten von Fernand Léger (Ballet mécanique, 1925), René Clair (Entr’acte, 1924) oder Hans Richter (Rhythmus 23, 1925) – sie konzentrieren sich vor allem auf die Objekt-Darstellung, suchen in der Reduktion der Formen eine Erhöhung des filmischen Plastizitäts-Eindrucks zu erzielen, spielen mit Polyperspektivik. Insbesondere in Traumsequenzen, aber auch in manchen Animationsfilmen ist die Formenwelt des Kubismus bis heute lebendig geblieben.

Literatur: Lawder, Standish: The Cubist Cinema. New York: New York Press 1975. – Capo, Roberta: Hans Richter, il cinema astratto e il progetto utopia. In: Cinema Sessanta 38,4/5, 1997, S. 47-54. – Prada, Claudia: The relationship of the cubist movement and experimental animation. In: Animatrix: Journal of the UCLA Animation Workshop, 8, 1994, S. 36-39.

Referenzen:

Dada

Surrealismus / surrealistischer Film


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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