Lexikon der Filmbegriffe

Massenmedien im Film

Im Mittelpunkt der Filme dieses Themenkomplexes steht die Institution einer Zeitung, eines Senders, einer Nachrichtenagentur oder der Beruf des Reporters. Das Institutionelle und Professionelle bildet aber nicht nur den Rahmen der Handlung – fast immer ist die Rolle der Medien in Politik und Gesellschaft auch Thema der Filme, es geht um den Akt der Realitätsdarstellung, in welchem Medium auch immer. Dabei kann es gelingen, dass die fiktionale Welt durch ihre Spiegelung in Schlagzeilen oder Wochenschauen – die eng an die realen Vorbilder der äußeren Realität angenähert sind – eine geborgte, illusionäre Authentizität gewinnt. Es liegt nahe, die Dramatisierung der Rolle der Medien in der Figur eines Reporters oder einer Reporterin zu zentrieren. Sie ist, ähnlich dem Detektiv, ein dramaturgisches Instrument, um gesellschaftliche Schranken zu überschreiten und in diversen Milieus als Zeuge und oft mit dem Ziel einer Gesellschaftskritik anwesend zu sein.
Seit 1930 hat es drei große Wellen von Medienfilmen gegeben: (1) In den 1930er Jahren formierte sich der Zeitungsfilm, der zu Beginn der 1940er Jahre zurückging; in seinem Zentrum stand der Zeitungsmann – diese Filme behandelten einen Akteurstypus in seinen diversen sozialen und professionellen Verflechtungen (Meet John Doe, 1941, Frank Capra). (2) In den 1970er Jahren kam es zu einer neuen Welle von Reporterfilmen, in denen der Reporter meist investigative Aufgaben übernahm; diese Filme knüpften an die Zeit des Zeitungsfilms an, bestimmten aber die Rolle des Journalisten neu – er war gezwungen, sich parteilich zu verhalten, weil er dem sozialen und politischen System nicht mehr nur entgegengestellt war, sondern sich als handelnder Teil desselben herausstellte (Network, 1976, Sidney Lumet; La Mort en direct, 1979, Bertrand Tavernier). (3) Seit den frühen 1990er Jahren bildet sich die Gattung des Medienfilms heraus, in der das ursprüngliche Interesse am Journalisten zurückging und die Medienfigur als ein ganz neuer, dem Journalistischen nur noch marginal verbundener Akteur sich herausbildet (The Truman Show, 1998, Peter Weir).

Literatur: Wulff, Hans J.: Journalismus und Medien im Film. Zeitungs-, Reporter- und Medienfilme. In: Medien praktisch. Texte 5, 2002, S. 46-55.

Referenzen:

newspaper film

Reporter im Film

Shyster


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: PB HJW


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