Lexikon der Filmbegriffe

Branchenzeitungen

Printmedien, die hauptsächlich der Kommunikation innerhalb der Filmindustrie dienen. Die wichtigsten amerikanischen Branchenzeitungen sind derzeit Variety, Hollywood Reporter und Box Office, die alle auch über Online-Ausgaben verfügen. Variety wurde 1895 als Branchenzeitung für die Theaterindustrie gegründet, dehnte ihre Berichterstattung aber auch auf neue Unterhaltungsmedien wie Radio und Fernsehen aus. Variety rezensiert alle Filme, die ins Kino kommen oder auf wichtigen Festivals laufen, und gibt neben einer Beurteilung des künstlerischen Werts auch eine Einschätzung der technischen Qualität des Films sowie des Marktpotenzials der Produktion ab, wobei dieser letzte Punkt von größter Wichtigkeit ist, dienen die Besprechungen doch nicht zuletzt Filmeinkäufern und Kinobetreibern als Informationsquelle. Variety erscheint in einer Wochenausgabe sowie als Daily Variety, wobei der Fokus der täglichen Ausgabe auf laufenden Vertragsverhandlungen und erzielten Vertragsabschlüssen im Bereich der Film- und Fernsehproduktion liegt. Der Hollywood Reporter wurde als ausschließliche Film-Branchenzeitschrift in den 1930er Jahren gegründet, als die Geschäftszentralen der Filmkonzerne noch in New York residierten und nur die Produktionsstätten (die Studios) in Hollywood angesiedelt waren. Wie der Titel besagte, berichtete der Hollywood Reporter gründlicher und ausführlicher als die Konkurrenz über das Geschehen in den Filmfabriken an der Westküste. Mit der Verlagerung der Konzernzentralen an die Westküste in den 70er Jahren, in deren Gefolge auch Variety seine Redaktion nach Los Angeles verlegte, ging dieser Wettbewerbsvorteil verloren. Mittlerweile positioniert sich der Hollywood Reporter als direkte Konkurrenz zu Variety. Box Office ist die Branchenzeitung des amerikanischen Kinogewerbes und richtet sich in erster Linie an Kinobetreiber, zum Teil mit vergleichbaren Dienstleistungen wie die beiden großen Konkurrenten (wöchentliche Tabellen mit Einspielergebnissen, Rezensionen etc.). Box Office löste in den 1960er Jahren den Motion Picture Herald als wichtigstes Organ der Kinobetreiber-Branche ab, der aus einer Reihe von Fusionen in den 1910er und 1920er Jahren entstanden war und in der klassischen Hollywood-Ära neben Variety als einflussreichste Branchenzeitung galt. In den großen europäischen Filmländern erscheinen ebenfalls Branchenzeitungen mit einem Angebotsprofil und einer Publikumsadressierung, die denen von Variety und dem Hollywood Reporter vergleichbar sind: Le Film Français in Frankreich, Screen in Großbritannien und Blickpunkt Film in Deutschland.


Artikel zuletzt geändert am 28.07.2011


Verfasser: VH PV


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