Lexikon der Filmbegriffe

Filmindustrie

Gruppe von Firmen, die in den Bereichen der Herstellung, des Vertriebs und der Aufführung von Firmen tätig ist. Industrien lassen sich nach vier Gesichtspunkten analysieren: (1) nach den Rahmenbedingungen, unter denen sie operieren; (2) nach der Struktur, die sie aufweisen; (3) nach ihren Geschäftspraktiken; (4) und nach ihrer performance, den Ergebnissen, die sie erzielen. Filmindustrien werden üblicherweise als nationale Industrien verstanden: Man spricht von der amerikanischen, der französischen, der indischen, der britischen oder deutschen Filmindustrie. Das ausschlaggebende Kriterium für die nationale Identität einer Industrie ist der Standort der research and development-Aktivitäten, das heißt der Produktentwicklung. Von den sechs größten Hollywood-Studios waren in den 1990er Jahren zeitweise mehr als die Hälfte in ausländischer Hand (Columbia und Universal gehörten den japanischen Elektronik-Konzernen Sony bzw. Matsushita, Univeral später dem französischen Medienunternehmen Vivendi, Twentieth Century Fox ist Teil des australischen Konzerns Newscorp.). Nach dem research and development-Kriterium bleibt Hollywood gleichwohl eine amerikanische Industrie. Von Ende der 1910er bis Ende der 1940er Jahre war die US-Filmindustrie vertikal integriert, das heißt Produktion, Distribution und Aufführung gehörten zur selben Firma. Nach einem Urteil des obersten Gerichtshofs von 1948 mussten die Studios ihre Kinoketten verkaufen. Dieses Urteil wurde von der Reagan-Administration de facto aufgehoben. Im Zug der 1980er und 1990er Jahre wurden die großen Studios Teil von vertikal und horizontal integrierten Medienkonglomeraten. Die amerikanische Filmindustrie dominiert den Weltmarkt aufgrund der ökonomischen Vorteile, die ihr aus der Größe ihres Heimmarktes erwachsen. Die europäischen Filmindustrien sind nur bedingt konkurrenzfähig und bleiben auf staatliche Beihilfen angewiesen. Ohne staatliche Beihilfe kommen Filmindustrien wie die indische oder die Hongkong-chinesische aus. Die indische Filmindustrie hält in ihrem Heimmarkt weiterhin eine quasi-monopolistische Stellung und exportiert ihre Filme nach Afrika, Vorderasien, aber auch in europäische Länder und in die USA. 
 

Referenzen:

Big Ten

Big Six

Instant Majors

Konglomerat-Strukturen

Konglomerate: Firmensubordinationen und -verflechtungen

Konglomerate: große Übernahmen

Majors / Major Studios

Majors: Major-Verleihe

Micro Majors

Mini-Majors

Studiosystem

Trust


Artikel zuletzt geändert am 29.01.2012


Verfasser: VH PV


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