Lexikon der Filmbegriffe

Miniserie

Vom amerikanischen miniseries (auch: mini-series) abgeleiteter Begriff für einen mehrteiligen Fernsehfilm (auch: TV-Mehrteiler). Der Ausdruck verdrängt im Deutschen zunehmend die älteren, spezifischeren Ausdrücke Zweiteiler, Dreiteiler usw., aber auch den eigentlich gleichbedeutenden Terminus Mehrteiler selbst. Eine Miniserie erzählt eine vollständige, in sich abgeschlossene Geschichte in mehreren getrennt gesendeten Episoden. Im Unterschied zur Serie wird sie bereits als Ganzes konzipiert, und die episodalen Folgen werden in der Regel auch zusammen abgedreht. Sie eignet sich daher besonders für lange, aber noch überschaubare, häufig als Saga erzählte Roman- und Drehbuchstoffe.
Überaus erfolgreiche Miniserien avant la lettre waren in Deutschland in den 1960ern TV-Krimi-Produktionen in Schwarzweiß wie der damalige „Straßenfeger“ Das Halstuch (1962), ein Sechsteiler nach Francis Durbridge, oder der Dreiteiler Die Gentlemen bitten zur Kasse (1966) über den großen englischen Postzugraub.
Die ABC-Produktion Rich Man, Poor Man (ABC, 1976, 720 Min.), eine Familiensaga nach Irwin Shaw mit Nick Nolte in einer Hauptrolle, wird als erste Miniserie im engeren Sinne angeführt. Als besonders erfolgreich und zukünftige Stoffgestaltungen beeinflussend gilt das auch in Deutschland gezeigte 8-teilige US-Geschichtsdrama Roots (1977, 720 Min.).

Literatur: Hickethier, Knut: Serie. In: Hügel, Hans-Otto (Hrsg.): Handbuch Populäre Kultur. Stuttgart / Weimar: Metzler 2003, S. 397-403. – Magistrale, Tony: Hollywood's Stephen King. New York: Palgrave Macmillan 2003, S. 173-217 [über die Miniserien Salem‘s Lot, It, The Stand, The Shining, Storm of the Century und Rose Red]. – Selznick, Barbara: World-class budgets and big-name casts: the miniseries and international coproductions. In: Elmer, Greg / Gasher, Mike (eds.): Contracting out Hollywood: runaway productions and foreign location shooting. Lanham, MD: Rowman & Littlefield 2005. – Stark, Steven D.: Glued to the set: the 60 television shows and events that made us who we are today. New York: Free Press 1997, S. 199-202 [über Roots].

Referenzen:

Mehrteiler

Serie

Telenovela


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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