Lexikon der Filmbegriffe

Christie Film Company

Die Christie Film Company wurde am 1.1.1916 von den beiden aus dem kanadischen London (Ontario) stammenden Brüdern Al E. und Charles Christie gegründet. Al hatte bei der Centaur Film (Bayonne, N.J.) begonnen, Filme zu machen, war 1911 nach Kalifornien gegangen, um die Nestor Studios zu leiten – die ersten Studios in Hollywood. Als Nestor 1912 in der Universal Film Company aufging, wurde er Chef der Komödienabteilung. 1916 mieteten die Brüder Studios bei der Quality Pictures Corporation (am Sunset Boulevard und an der Gower Street). Im ersten halben Jahr produzierten die Christies Komödien für Universal, boten ihre Filme ab Juli 1916 auch anderen Verleihern an und hatten schnell so großen Erfolg, dass sie die Studio-Einrichtungen kaufen konnten. Innerhalb kürzester Zeit war die Studiofläche verdoppelt, die Firma besaß sogar ein eigenes hochmodernes Kopierwerk. Die Firma spezialisierte sich auf Situationskomödien. Mädchen in knappen Kostümen gehörten ebenso zum Stil des Studios wie einige Komiker, die später berühmt wurden (zu ihnen gehören Harold Lloyd und Anita Garvin sowie der schwarze Schauspieler Spencer Williams, der als „Andy Brown“ in der CBS-Serie Amos & Andy nationenweit bekannt wurde). Außerdem produzierte das Studio Film Follies, ein Magazinformat, das die neuesten Filme sowie Ereignisse im Studio vorstellte. Charles Chrisie, der eine kaufmännische Ausbildung genossen hatte, spielte eine bedeutende Rolle bei der Gründung des Motion Picture Relief Fund, der Schauspieler in Not unterstützen sollte (1921-22). Die Brüder waren so erfolgreich, dass sie 1922 die Christie Realty Corporation mit 1 Million US-$ Grundkapital gründeten und das „Christie Hotel“ bauten, das erste Luxushotel Hollywoods. 1929 begann die Produktion der ersten Serien von Tonfilmen ausschließlich mit den afro-amerikanischen Schauspielern, die die Firma unter Kontrakt hatte. Es schlossen sich rein schwarze Produktionen an, u.a. mit der Lafayette Players Stock Company aus Harlem (N.Y.). Diese Filme wurden von Paramount vertrieben. Die Weltwirtschaftskrise 1929 stürzten auch die Christie-Studios in eine Jahre anhaltende Krise – 1933 wurde der Konkurs erklärt.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: HHM


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