Lexikon der Filmbegriffe

handmade film

auch: handcrafted film; noncamera film; out-of-camera film; cameraless animation;

Englischer Ausdruck für einen „handgemachten“, d.h. von Hand bearbeiteten experimentellen, zumeist sehr kurzen Film. Dabei wird das Filmträgermaterial durch Malen, Zeichnen, Ritzen, Gravieren oder Ätzen vornehmlich abstrakter Formen und Texturen oder durch Verformen, Einfärben, Ansengen usw. direkt bearbeitet. Derartige Verfahren sind seit den 1910er Jahren belegt. Pioniere des abstrakt-experimentellen Films wie Len Lye in den 1930er Jahren und Norman McLaren oder Robert Breer in den 1950ern haben ihre entsprechenden Versuche zu Kunstwerken erhoben und damit auch Schüler und Nachahmer inspiriert, insbesondere im filmkünstlerischen Milieu. Eine australische Gruppe von Underground-Filmern namens Ubu Films formulierte im September 1967 in Sydney sogar ein radikales „Hand-Made Films Manifesto“ für Film und Musik in 10 Punkten.
Da handbearbeitete Filme bei häufigeren Aufführungen aufgrund ihrer Machart zwangsläufig leiden und zudem wegen ihrer Kürze gern in andere, umfassendere Werke eingearbeitet worden sind, haben nur wenige der älteren Exemplare in ihrer ursprünglichen Fassung unbeschadet überlebt, jedoch gelten die ästhetischen Effekte dieser Bearbeitungstechniken auch heutzutage nicht als überholt.

Literatur: Fan, Larissa: Beyond the fringe – Handmade filmmaking, still finds its place in experimental film world. In: Take One: Film and Television in Canada 44, Dec. 2003-Mar. 2004. – Hand-Made Films Manifesto. In: Mudie, Peter: Ubu Films: Sydney underground movies, 1965-1970. Sydney: University of New South Wales Press 1997, S. 77.

Referenzen:

abstrakter Film

Blankfilm

direct film

Experimentalfilm


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


Zurück