Lexikon der Filmbegriffe

Kriegssatire I

Die Kriegssatire formuliert mit den Mitteln der Komik und des Spotts eine radikale Skepsis gegenüber vorherrschenden Vorstellungen vom Sinn und Zweck kriegerisch-militaristischer Infrastrukturen und Auseinandersetzungen, ihren Voraussetzungen, Praxen und Zielen. Über die Möglichkeiten der Komödie und des Burlesken hinaus und in Abgrenzung zu humoristischen Unterhaltungsformen etwa des Militärschwanks oder der Kriegsklamotte gibt die Kriegssatire mit aufklärerisch-didaktischem Duktus den Widerspruch zwischen idealisierten Vorstellungen des Krieges (z.B. als machtpolitisch-ordnungsstiftende Kraft) und seinen realen Erscheinungsformen (z.B. zerstörerisches Chaos der Schlacht) der Lächerlichkeit preis und legt die Unbrauchbarkeit zugehöriger Wertmaßstäbe offen, ohne einen positiven Gegenentwurf bereit zu stellen. In der Tradition der Filmkomödie haben sich historisch v.a. die Verwendung von Elementen des Slapstick (z.B. Shoulder Arms, 1918), Karikatur und Konterkarierung (z.B. Dr. Strangelove, 1964), Ironie und Sarkasmus (z.B. M.A.S.H., 1970) sowie Parodie und Selbstreflexion (z.B. How I Won the War, 1967; Starship Troopers, 1997) bewährt. Die Kriegssatire entwickelt sich zeitgleich mit anderen Formen der Thematisierung des Krieges; sie bildet zugleich eine spezifische Ausdrucksform des Antikriegsfilms. Wiederkehrende Stoffe und Themen der Kriegssatire sind Inkompetenz und Überforderung, Unangemessenheit von Heldentum und Hierarchienglaube, Unvereinbarkeit von Befehl und Gehorsam, die Absurdität militärischer Rituale, strukturelle Widersinnigkeit sowie die Dysfunktionalität von Weltanschauungen und Wertesystemen, aber auch selbstkritisch-medienreflexive Stellungnahmen. Zugleich setzt die Form der Satire auf Seiten des Publikums Vertrautheit und reflexives Wissen im Umgang mit Themenkomplexen und Darstellungskonventionen des Krieges voraus.

Literatur: Hickethier, Knut / Bier, Marcus: Das Unterhaltungskino I: Militärschwänke im Kino der zwanziger Jahre. In: Harro Segeberg (Hg.): Die Perfektionierung des Scheins. Das Kino der Weimarer Republik im Kontext der Künste. München: Fink 2000, S. 67-94 (Mediengeschichte des Films. 3.).

Referenzen:

Antikriegsfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: BR


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