Lexikon der Filmbegriffe

Passionsspiel: Drehbuchgeschichte

Die frühesten passion plays aus der Zeit der Jahrhundertwende gehören zu den damals längsten Filmen und nahmen schon allein deswegen eine Sonderstellung ein. Diese Filme – vorwiegend amerikanischen, aber auch französischen Ursprungs – spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung der langen Formen des fiktionalen Films. Das gilt auch für die Entwicklung der Drehbuchformate. Die Vorlage für The Passionplay of Oberammergau, die 1898 von Salmi Morse für das Theater geschrieben wurde, gilt als der „Urtext“ in der Geschichte des amerikanischen Drehbuchs. In der Geschichte des amerikanischen Drehbuchs spielt auch From the Manger to the Cross (1912) eine wichtige Rolle, da die Vorlage für diesen Film das erste ausentwickelte und vollständig ausgearbeitete Drehbuch der amerikanischen Filmgeschichte ist. Allerdings verwundert die hohe Bedeutung, die der Stoff für die Entwicklung des Hollywood-Drehbuchs gehabt hat, wenn man bedenkt, dass die Passionsgeschichte den Kriterien des klassischen Hollywoodkinos nicht wirklich entspricht. Es handelt sich schließlich um eine episodenhaft erzählte Geschichte mit einem über weite Strecken passiven Protagonisten.
In der Produktionsgeschichte just dieses Films finden sich auch Proteste gegen die Dramatisierung der Passionsgeschichte, die dazu geführt haben, dass die Theateraufführung von Morses Oberammergau-Stück untersagt wurde. Proteste religiöser Gruppierungen ziehen sich durch die Geschichte des Passionsspiels bis zum heutigen Tage.

Literatur: Loughney, Patrick: From Rip Van Winkle to Jesus of Nazareth. Thoughts on the origin of the American screenplay. In: Film History 9,3, 1997, S. 277-289.

Referenzen:

Passionsspiel


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: CT


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