Lexikon der Filmbegriffe

Tobis Filmkunst GmbH

Tobis = Akronym aus „Tonbild-Syndikat“

Die Tonbild-Syndikat AG wurde am 12.5.1927 als Zweigunternehmen der Schweizer Schallplatten- und Patenthaltungsfirma Tri-Ergon-Musik-AG gegründet. Es war Aufgabe der Firma, die Rechte und Interessen der Mutterfirma in Deutschland zu vertreten. Zum Tonfilmunternehmen wurde sie im Sommer 1928 (30.8.1928), als Tri-Ergon mit dem holländisch-deutschen Küchenmeister-Konzern fusionierte, um alle Patente in einer Hand zu vereinigen – der „Tonfilmkrieg“ zwischen den Europäern und Warner Bros., die ein Patent der Western Electric nutzten, war ausgebrochen und wurde erst am 22.7.1930 im „Pariser Tonfilmfrieden“ beendet. Die Tonbild-Syndikat AG wurde in Tobis-Klangfilm umbenannt, sie konnte auf die Patente der Klangfilm, Siemens, AEG, Polyphon und einiger amerikanischer Firmen zurückgreifen. Lizenzen und Patente wurden der neugegründeten Muttergesellschaft der Tobis – der in Holland ansässigen Intertobis – zugeschlagen. Es entstand eine Reihe von Tochtergesellschaften, die zum Teil im Ausland agierten (wie die „Tobis-Cinéma-Film AG“, die Tobis-Filme ins Ausland verlieh und vertrieb, oder „Internationale Tobis-Cinema” / „Intertobis“ mit Sitz in Amsterdam, oder die nach deutschem Muster verfasste „Companhia Portuguesa de Filmes Sonores Tobis Klangfilm“).
Schnell wuchs die international operierende und vor allem in schweizerisch-holländischem Besitz befindliche Tobis zur zweitgrößten deutschen Filmproduktion heran. 1934 begann die Umwandlung der Tobis in eine reichsunmittelbare Firma- eine Nationalisierung, die 1939 abgeschlossen war. Die Intertobis wurde schon 1935 von der Cautio-Treuhandgesellschaft aufgekauft. Die Firma geriet in finanzielle Krisen (1936/37), wurde reorganisiert, durch die Cautio übernommen, die sie zu Tobis Industrie GmbH (Tiges) umtaufte, bevor sie am 27.11.1937 zur Tobis Filmkunst GmbH mutierte. 1942 ging sie in den UFI-Konzern ein und behielt nur noch formale Selbsändigkeit. Nach dem Krieg gingen die Produktionseinrichtungen der Tobis in den neugegründeten Ifa-Konzern ein.

Literatur: Distelmeyer, Jan (Hrsg.): Tonfilmfrieden / Tonfilmkrieg. Die Geschichte der Tobis vom Technik-Syndikat zum Staatskonzern. München: Text + Kritik 2003 (Ein CineGraph Buch.). – Die Tobis 1928-1945. Eine kommentierte Filmographie. Red.: Hans-Michael Bock, Wiebke Annkatrin Mosel u. Ingrun Spazier. München: Text + Kritik 2003.

Referenzen:

Time Inc.

Warner Bros. II: nach 1950


Artikel zuletzt geändert am 05.02.2012


Verfasser: HHM


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