Lexikon der Filmbegriffe

Ziel

engl.: goal

In der Drehbuchliteratur wird immer wieder darauf abgehoben, dass der Protagonist im klassischen Hollywoodfilm ein Ziel haben muss und dass das Verlangen danach, dieses Ziel zu erreichen oder diesen Wunsch erfüllt zu bekommen, treibender Impuls der Erzählung ist. Für die Handlungsführung ergibt sich so eine klare Linie: Der Protagonist versucht, sein Ziel zu erreichen. Alle Handlungen sind durch die Ziel- oder Wunsch-Orientierung geprägt. Ein zielgerichteter Protagonist ist somit (im amerikanisch dominierten Kino, sollte man vielleicht einschränken) idealerweise eine aktive Figur, die ihr Schicksal selbst in der Hand hat. Dies entspricht der Vorstellung eines selbstbestimmten bürgerlichen Subjekts und ist der ideologische Kern dieses Konzepts. Der Weg des Protagonisten zu seinem Ziel ist mit etlichen Hindernissen versehen. Am Ende hat der Protagonist sein Ziel endgültig erreicht (gelegentlich aber auch nicht).
Oft wird weiter differenziert: Der Protagonist hat ein bewusstes und in vielen Fällen gleichzeitig auch ein unterbewusstes oder unbewusstes Ziel. Ist ersteres zweckrational und an Handlungen des Akteurs gebunden, steht letzteres eher im Horizont der Persönlichkeit, biografischer Entwürfe und affektiver Grundhaltungen der Figur. Explizites Wünschen und implizites Verlangen korrespondieren manchmal, stehen aber oft im Konflikt. Unbewußt tendieren Figuren dazu, Regeln der Ziemlichkeit und der Moral (latent, nur selten offen) zu unterwandern. Während sich das bewusste Ziel im Laufe des Films ändern kann, bleibt das unterbewusste konstant.
Die Durchsetzung des zielgerichteten Protagonisten als eines der Kennzeichen des klassischen Hollywoodkinos ist auch bestimmten Stars und deren Images wie z.B. Douglas Fairbanks zu verdanken. Außerhalb Hollywoods sowie im Melodrama sind immer wieder auch Protagonisten anzutreffen, die kein Ziel aktiv verfolgen, passiv dem Geschehen ausgesetzt sind.

Literatur: Bordwell, David / Staiger, Janet / Thompson, Kristin: The Classical Hollywood Cinema. Film Style and Mode of Production to 1960. New York: Columbia University Press 1985. – Field, Syd. Screenplay. The Foundation of Screenwriting. New York: Delta 1979. – McKee, Robert. Story. New York: Harper Collins 1999. – Sargent, Epes Winthrop; The Technique of the Photoplay. 3rd ed. New York: Moving Picture World 1916. Zu erst 1912.
 

Referenzen:

want / need


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CT AS


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