Lexikon der Filmbegriffe

point of attack

manchmal auch kurz: poa; seltener: point of first attack; dt. manchmal: dramatischer Auftakt, Einsatzpunkt der Handlung

(1) Angesichts der gesamten Dauer der Geschichte, einschließlich der Vorgeschichte(n), muss sich jeder Film für den Punkt entscheiden, an dem die Geschichte einsetzt. Je später im Verlauf die Geschichte einsetzt, desto mehr expositorische Information, desto mehr Vorgeschichten der einzelnen Figuren und Konflikte müssen nachgereicht werden. Es gilt die Grundregel, dass ein später point of attack nicht nur komplexere Erzählstrukturen erforderlich macht, sondern dass er auch von vornherein den Fokus auf das Vergangene legt. Auch das Spiel mit Vorankündigungen, Vorverweisen und ähnlichem, das mit dem Beginn des Dramas einsetzt, verkompliziert sich, weil viele relevante Informationen nicht in der Zukunft, sondern in der Vergangenheit liegen; so werden aus Vorankündigungen Verrätselungen von Geschehnissen in der Vergangenheit, und nicht das Ereignis wird angekündigt, sondern der Bericht darüber (als Erzählung oder als Rückblende). Der vielleicht extremste Einsatzpunkt der Geschichte ist Billy Wilders Sunset Boulevard (1950), in dem sich zu Beginn der Erzähler vorstellt – er ist nicht nur die Stimme eines Beteiligten, sondern auch die Leiche, die am Anfang des Films in einem Swimmingpool schwimmt.
Doch nicht nur erzählerisch, sondern auch das Erscheinungsbild des Auftakts ist von großer Bedeutung: Requisite, Kostüm, Statur und Bewegung der Akteure, Musik setzen ein erstes Signal für die Atmosphäre dessen, was folgt.

Literatur: Pfister, Manfred: Das Drama: Theorie und Analyse. München: Fink 1977. Zahlr. Neuaufl.

(2) Manchmal wird auch der initiale plot point, an dem der zentrale Konflikt des Dramas, das Problem des Protagonisten u.ä. klar wird, point of attack genannt.

Referenzen:

auslösendes Moment


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


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