Lexikon der Filmbegriffe

hard-boiled

auch: hardboiled; englisch wörtlich: ‚hartgekocht‘; jemand, der im Amerikanischen mit dem Adjektiv hard-boiled bezeichnet wird, gilt als hart, wenn nicht brutal gegen andere, bissig oder gar bösartig in seiner Rede und allgemein unangenehm im Umgang

Hollywoodproduktionen der Kriegs- und Nachkriegszeit der 1940er Jahre nahmen Bezug auf die als hardboiled charakterisierten Helden aus den Detektivgeschichten der pulp literature und von Autoren wie William R. Burnett, James Cain, Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Jonathan Latimer und Horace McCoy, seit den späten 1950er Jahren auch Ross Macdonald, und begannen damit eine psychologisierende Ausrichtung des Film Noir, die die desillusionierte, oft zynische Weltsicht des männlichen Protagonisten als eines auf sich selbst gestellten, seine Maskulinität betonenden tough guy zeigte, der während der Kriegszeit und in der anschließenden Welt des Kalten Krieges nicht nur seine psychischen Tiefpunkte und Zusammenbrüche, sondern auch sein traurig-stures Verhältnis zum anderen Geschlecht zu organisieren hat. Als einer der Archetypen des hard-boiled Detektivs mit verborgenem Goldenen Herz galt Humphrey Bogart, z.B. mit der Rolle des Sam Spade in John Hustons The Maltese Falcon (USA 1941, nach dem Roman von Dashiell Hammett) oder als Philip Marlowe in Howard Hawks‘ The Big Sleep (USA 1946, nach Raymond Chandler). Der besondere Einsatz des voice-over wurde zu einem Kennzeichen dieser Filme.
Während sich der Film Noir später verstärkt dem semidokumentarischen Polizeifilm und soziologischen Milieuschilderungen widmete, kam es zu einer Verlagerung des als hard-boiled zu bezeichnenden maskulinen Heldentypus auf andere Genres und Subgenres des Actionfilms. Der Regisseur John Woo hat das Adjektiv sogar als amerikanischen Titel für seinen Polizeifilm im chinesischen Triadenmilieu verwendet (Hard-Boiled, Hongkong 1992).
Im Zuge einer feministisch inspirierten Kritik an angeblich festgelegten Geschlechterrollen hat sich auch der noir-nahe Typus des weiblichen hard-boiled Verbrechers herausgebildet, so z.B. die mordende Schwarze Witwe (Theresa Russell) in Black Widow (USA 1987, Paul Rafelson) oder die zynische Poetik-Professorin (Kelly McGillis), mit der sich die lesbische Detektivin in The Monkey‘s Mask (Australien/u.a. 2000, Samantha Lang) einlässt.
Aus der Charakterisierung eines vorgeblich ‚harten Hundes‘ als ‚hard-boiled‘ hat sich im Deutschen dann als Gegenbegriff die Bezeichnung ‚Weichei‘ für einen nachdenklich-vorsichtigen, unentschlossen-ängstlichen oder schreckhaften Mann entwickelt.

Literatur: Abbott, Megan E.: The street was mine: white masculinity in hardboiled fiction and film noir. New York: Palgrave Macmillan 2002. – Décharné, Max: Hardboiled Hollywood: the origins of the great crime films. Harpenden, Herts.: No Exit Press 2002. – Krutnik, Frank: In a lonely street: film noir, genre, masculinity. London/New York: Routledge 1991.

Referenzen:

Detektivfilm

Film Noir

Krimi

Néo-Polar

Polizeifilm

Poliziottesco


Artikel zuletzt geändert am 27.01.2012


Verfasser: LK


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