Lexikon der Filmbegriffe

Detailaufnahme

engl.: extreme close-up

Die nächste Einstellungsgröße. Objektstrukturen (wie etwa Holzmaserung), Kleinobjekte (wie z.B. Waffenteile oder Schmuckstücke) und Körperteile (Nase, Augen, Lippen usw.) werden unnatürlich groß herausgestellt. Die Detailaufnahme ist immer signifikant und hebt oft das wesentliche Detail einer Handlung hervor (wie das Türschild, den Finger an der Klingel, die Mündung einer Schusswaffe). Sie ist aber nicht monofunktional zu bestimmen, sondern kann in mehreren ganz unterschiedlichen Formen auftreten. So kann sie den besonderen Ausdruck eines Gesichts hervorheben; Detailaufnahmen der Augenpartien waren im Italo-Western vielfach zu finden, Nichtgeschehen und Langeweile ebenso signifizierend wie Momente höchster Furcht oder großen Erschreckens. Die Detailaufnahme eines sprechenden Mundes diente nicht nur im sowjetischen Revolutionsfilm der Darstellung der Denunziation. Im Thriller sind Aufnahmen einer Schere oder eines Schlüsselbundes spannungsfördernde Indizien, manchmal auch deutliche Hinweise auf Waffen oder Spuren. Detailaufnahmen intensivieren die Handlungsdarstellung, durchsetzen sie mit Bildern, in denen der Zeigegestus des Films deutlich ausgeprägt ist. Trotz dieser reflexiven Qualitäten der Detailaufnahme schafft ein Film wie Walter Hills Geronimo (1993), der zwischen extrem weiten und Detailaufnahmen hin- und herspringt, eine visuelle Spannung, die im Kino gemeinhin vermieden wird. 
 

Referenzen:

Einstellungsgrößen

italienische Einstellung


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: HJW


Zurück