Lexikon der Filmbegriffe

historische Rekonstruktion

Spielfilm, dessen Handlung sich an einem verbürgten historischen Ereignis orientiert und der versucht, dieses Geschehnis (die Krönung Napoleons, die Invasion in der Normandie o.ä.) mit filmischen Mitteln zu rekonstruieren. Hinter der Methode des Rekonstruierens steht der (grundsätzlich problematische) Anspruch auf (mehr oder weniger erreichte/erreichbare) Authentizität und Detailtreue – was die Rekonstruktion keineswegs vor großem Pathos oder didaktischer Besserwisserei schützt. Wählt sie jedoch einen nüchterneren (und genaueren) Tonfall, dann rückt sie in die Nähe der Milieustudie (in deren Fokus allerdings ein vergangenes Milieu, nicht aber ein verbürgtes Ereignis liegt). Ist sie in oberen und obersten sozialen Schichten angesiedelt – etwa an einem königlichen Hof –, dann ist sie oft als Ausstattungs- und Kostümfilm realisiert. Gelegentlich verbindet sie beides, die Lust am Prunk mit der scharfsinnigen Analyse vergangener sozialer Prozesse: Dann eröffnet sie Einsichten in ansonsten abstrakt bleibende Strukturen-Ränke, Intrigenspiele und Strategien der Macht, die seit je fernab der Öffentlichkeit funktionieren. Das Interesse der Rekonstruktion ist Aufklärung, ihr Mittel oft ein manchmal äußerlich erscheinender Realismus. Die Reklamation des eigenen Anspruchs auf Authentizität der Darstellung ist allenthalben spürbar. Zur Formenwelt der Rekonstruktion gehört das Biopic, oft auch das vor allem dem Fernsehen zugehörige Docudrama, das ebenfalls verbürgte Ereignisse veranschaulicht, dabei aber auf schon bestehende (oft filmische) Quellen zurückgreift. Zu den Beispielen gehören so unterschiedliche Filme wie La prise de pouvoir par Louis XIV (1966, Roberto Rossellini), Die weiße Rose (1982, Michael Verhoeven) oder Schindler‘s List (1993, Steven Spielberg).

Referenzen:

historische Milieustudie


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: PB


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