Lexikon der Filmbegriffe

escape film – message film

Adorno unterscheidet in seinen Minima Moralia (1951) zwei elementare Formen kulturindustriell hergestellter Filme, die beide dazu dienen, den Rezipienten zu entlasten, ohne ihn zum Handeln oder zu tiefergehender Kritik zu zwingen: Unter escape film versteht er Filme, die in ihren Stilmitteln und Inhalten auf die Erzeugung von Illusion ausgerichtet sind, um ihren Rezipienten ein ‚Vergessen‘ und eine Flucht vor dem Alltag zu verschaffen; dagegen sind message films Filme, die den ‚ernsthaften‘ Anspruch erheben, gesellschaftliche Probleme zu behandeln, um den Zuschauer nachdenklich zu machen. Allerdings geht Adorno davon aus, dass die Botschaft eines message films keine fundamentale Kritik an den Herrschaftsverhältnissen der erzählten oder der realen Welt äußert, sondern auf Ideale abhebt, die auf die „Reform abstellbarer Missstände“ hinausdeuten. Das Aufgreifen gesellschaftlicher Probleme im message film erfolgt danach in der Sache halbherzig und in der Botschaft das Gegebene bestätigend, aus dem heraus doch gerade das Problem entstanden ist.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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