Lexikon der Filmbegriffe

falsche Liebespartner

Das Motiv des falschen Liebespartners taucht vor allem in romantischen Liebeskomödien auf. Der Zuschauer weiß dabei besser als der Held oder die Heldin, dass er oder sie dem falschen Partner nachläuft und das falsche Glück erhofft. Er ist dagegen in die Bestimmung des Helden / der Heldin eingeweiht, er kennt die Glückskonditionen. Oft ist die Parteinahme des Zuschauers nicht empathisch-identifikatorisch, sondern vikariierend, der Figur des Helden besseres Wissen entgegensetzend. Wenn in Fatih Akims Im Juli (1999) der Held nach Istanbul reist, reist er der „falschen Frau“ nach, und er teilt die Reise mit der „wahren Geliebten“. Erst ganz am Ende wird ihm klar, wer die eigentliche Frau seines Begehrens ist. Das Begehren des Helden trägt den Film, hält ihn zusammen. Welche Frau das Objekt des Begehrens werden kann, ist dem Helden unsicher – dem Zuschauer und der Konvention des Genres dagegen nicht. Diese Differenz durchzieht das Genre von Beginn an – so muss die Heldin in The Gilded Lily (1935, Wesley Ruggles) erst durch einen Versprecher des falschen Geliebten darauf gestoßen werden, dass ihr Herz an jenem anderen hängt. Auch hier weiß der Zuschauer eigentlich vorher, wer das vorherbestimmte Paar ist. Ein Extremfall ist Peter Chelsoms Serendipity (2000) – hier kommt das Paar, das von Beginn an die ideale Kombination ist, erst nach Überwindung zahlloser Unwahrscheinlichkeiten, Widerstände, Zufälle zueinander.


Artikel zuletzt geändert am 01.08.2011


Verfasser: HJW


Zurück