Lexikon der Filmbegriffe

Audiodeskription

oft auch: Hörfilm; gelegentlich eher scherzhaft: Ohrenkino; engl.: audio description, oft auch: AD

Audiodeskription nennt sich eine dem laufenden Film aufgesprochene Beschreibung dessen, was man sieht. Sie dient dazu, Filme Blinden und Sehbehinderten zugänglich zu machen und wird gelegentlich auch von Fernsehsendern eingesetzt. Während der Dialogpausen werden Handlungselemente, Gestik und Mimik der Akteure und Schauplätze der Handlung von einem Sprecher beschrieben.
Der kalifornische Professor Gregory Frazier kam 1975 auf die Idee, Filme mit einer aufgesprochenen Beschreibung des Visuellen zu versehen, nachdem er einen Mann beobachtet hatte, der seiner Frau den Film während der Vorführung flüsternd beschrieb. 1977 stellte er ein erstes „Audiodescription“-System mit Funkkopfhörern vor. Es wurde 1989 anlässlich einer Aufführung von Steven Spielbergs Indiana Jones and the Last Crusade in Cannes der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Dolby übernahm schließlich die Entwicklung des Dolby Screen Talk, eines Systems, das in den meisten Belangen wie DTS aufgebaut ist. Mittels Funkkopfhörern kann nun auch während einer normalen Vorführung von Filmen die Audio-Beschreibung verfolgt werden. Bis 2003 wurden in Deutschland die Audio-Beschreibungen von Filmen in speziellen Veranstaltungen für Blinde noch live eingesprochen. Erstmals kam Dolby Screen Talk 2004 auf dem Kinderfilmfest der Berlinale zum Einsatz (als Aufführung des Films Die Blindgänger, BRD 2004, Bernd Sahling).

Weitere Informationen: www.hoerfilm.de.

Literatur: Charlson, Kim:. Making Theater Accessible: A Guide to Audio Description in the Performing Arts. Watertown, MA.: Bay State Council of the Blind 2001. – Ellis, Fay: A Picture Is Worth A Thousand Words for Blind and Visually Impaired Persons Too! An Introduction to Audiodescription. New York: American Foundation for the Blind 1991.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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