Lexikon der Filmbegriffe

Binnenerzählung

frz.: récit encadré

Von „Binnenerzählung“ spricht man dann, wenn es eine Rahmenerzählung und einen Rahmenerzähler gibt. In der Literatur tritt hier meist ein Ich-Erzähler auf, dem eine Erzählung in den Mund gelegt ist, die als „Rahmen“ (frz.: cadre) eine andere, meist längere Erzählung einleitet oder idealerweise umschließt. Die Binnenerzählung stellt in der Regel die Haupthandlung dar. Derartige Rahmungen sind auch im Film durchaus üblich – die Märchenerzählerin muss die Nächte erzählend überbrücken (wie in den Märchen aus tausendundeiner Nacht), der Geschichtenerzähler fabuliert deutsche und russische Märchen für seinen neugierig lauschenden Hund (wie in Jim Hensons Serial The Storyteller, 1987-88). Entgegen der Rückblendenerzählung, in der der Erzähler der Rahmenhandlung der Protagonist der Binnenerzählung ist, bildet die Binnenerzählung eine eigenständige, von der Rahmenhandlung unabhängige diegetische Realität aus, die allerdings manchmal als aus Wunsch oder Angst des Erzählers motivierte Projektion des Erzählers gedeutet werden kann. Es gibt aber eine ganze Reihe von Zwischenformen (wie in The Long Ships, 1963, in dem der Märchenerzähler vom Anfang sich als verkleideter Wikinger herausstellt und die Erzähl-Wirklichkeiten von Rahmen und Erzählung zusammenfallen).

Referenzen:

Rahmenerzählung


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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