Lexikon der Filmbegriffe

Children‘s Cinema Clubs

Kinovorführungen für Kinder haben in England eine lange Tradition und weisen bis auf die Jahrhundertwende zurück. Die Granada-Theater etwa boten seit 1927, die Odeon-Kinos seit 1937 wöchentliche Kinderfilmnachmittage an. Erste Kinderfilmclubs entstanden noch in den 1930er Jahren. Im April 1943 nahmen über 150 Kinos an den Gründungsfeiern von Rank's Odeon Children's Clubs teil, die mehr als 150.000 Mitglieder hatten. Zunächst wurden Filme aus den USA eingeführt. Tom's Ride (1944), eine Produktion der Gaumont British Instructional Films, war so erfolgreich, dass noch 1944 Children's Entertainment Film (CEF) als Abteilung des Rank-Konzerns gegründet wurde. Nachfolgeorganisation wurde die Children‘s Film Foundation.
Die Veranstaltungen fanden an schulfreien Samstagen statt. Dabei gab es vormittags die sogenannten „matinees“. Die Zahl der Kinderfilmclubs nach dem Weltkrieg stieg bis 1948 auf 1644, die wöchentliche Besucherzahl lag bei 880.000 Kindern zwischen fünf und 15 Jahren. Schon 1950 spielten 1900 Clubs vor 1,2 Millionen Besuchern pro Woche. Erst anfangs der 1960er Jahre – mit der Einführung des Fernsehens – gingen diese Zahlen zurück. Zum Programm gehörte von Anfang an der Ausschluss der Erwachsenen aus den Veranstaltungen. Die Programme beinhalteten das Absingen der Nationalhymne, das Ablegen eines Versprechens („Ich verspreche die Wahrheit zu sagen, anderen zu helfen, meinen Eltern zu gehorchen. Ich verspreche alten Leuten mit Aufmerksamkeit zu begegnen, Tiere gut zu behandeln und ehrlich zu sein“), Gemeinschaftsgesang, zwei Kurz- und ein Lang- oder Halblangfilm.
Es gab einen Kodex, an den sich die englischen Produktionen der CEF-Produktionen (und der durch die CFF geförderten Filme) hielten: Protagonisten im Alter der Zuschauer; Gruppen als protagonale Akteure, also keine individuellen Schicksale und Probleme; klare moralische Verhältnisse. Als ein eigenes Genre entstand der englische Kinderkrimi nach immergleichem Erzählschema: Eine Gruppe von Kindern kommt einem Verbrechen auf die Spur, das – ohne die Hilfe von Erwachsenen – am Ende gelöst wird – der Täter wird gestellt und der Polizei übergeben. Das Schema hat zwar mit Kästners Emil und die Detektive (1930; verfilmt 1931, 1954, 2001) Vorformen, wurde aber erst durch die englische Kinderfilmproduktion populär und in zahlreichen literarischen Serien fortgeführt (am bekanntesten im Fortleben der Serien Enid Blytons – Fünf Freunde und...).

Literatur: Rudd, David: Enid Blyton and the mystery of children's literature. London: Macmillan 2000. Repr. 2002. – Druce, Robert C.: This day our daily fictions. A comparative study of the writing of Enid Blyton and Ian Fleming . Leiden, Univ., Diss., 1988.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: HJW


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