Lexikon der Filmbegriffe

Coming-Out

Motiv im Spielfilm, das bisweilen die Dimension eines Erzählmusters annehmen und die dramaturgische Bewegung eines ganzen Films bestimmen kann. Im Zentrum steht der freiwillige (gegebenenfalls erzwungene) Schritt einer Lesbe oder eines Schwulen, zu ihrer resp. seiner Homosexualität zu stehen und die eigene Sexualität nicht länger nur im Versteckten zu leben. Meist sind die Figuren jung, in der Adoleszenz oder in den Zwanzigern, dagegen ist die filmische Schilderung eines Coming outs älterer Figuren weitaus seltener (Coming Out, 1989, Heiner Carow, erzählt z.B. die Geschichte eines Lehrers, der erst spät seine Homosexualität erkennt und sich zu ihr bekennt). Der Prozess selber wird oft als Identitätsproblem erzählt und in eine Liebesgeschichte eingebettet, die je nach Ausrichtung des Films als Leidensgeschichte oder tragische Liebe daher kommen kann, in der Regel aber mit einem Happy-End schließt, neuerdings sogar als Komödie realisiert werden kann (wie in Francis Vebers Le Placard, 2001, in der sich ein Büroangestellter dadurch gegen Kündigung zu schützen sucht, indem er das Gerücht streut, er sei homosexuell – so dass die Firma die Kündigung wegen sexueller Diskriminierung aussetzen muss). Manchmal nimmt das Coming-Out nur den Rang einer Episode ein (wie in François Ozons Sitcom, 1998). Seit den 1990er Jahren ist das Motiv verstärkt auch im Mainstream zu sehen, wenn auch keineswegs frei von althergebrachten Klischees und oft begleitet von einer zweifelhaften Komik. Im Queer Cinema dagegen verzichtet man weitgehend auf derlei Vereinfachungen – es sei denn, man verspottet sie unverholen in Parodien oder Satiren. Statt dessen ist eine Tendenz zum Pädagogischen oder Didaktischen zu verzeichnen, insofern als das für ein schwullesbisches Publikum erzählte Coming-Out immer auch die Funktion hat, die eigenen Unsicherheiten und Ängste abzubauen.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: PB


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