Lexikon der Filmbegriffe

Markiertheit

Die Markiertheitstheorie, die ursprünglich aus dem Prager Strukturalismus stammt, sieht die Glieder eines Oppositionspaares als markiert und unmarkiert an. Ist ein Glied markiert, ist es merkmalhaltig, ist es unmarkiert, dagegen merkmallos. So ist in der Opposition „Nominativ vs. Akkusativ“ der Akkusativ der merkmalhaltige Kasus, weil er das Vorhandensein eines Bezugsgegenstandes zu einer Handlung kennzeichnet, während der Nominativ dieses Merkmal nicht aufweist, d.h. er signalisiert weder das Vorhandensein noch die Abwesenheit eines Bezuges. Für unmarkierte Einheiten gilt außerdem, dass sie durch einfachere Mittel ausgedrückt werden und häufiger vorkommen, während markierte Formen durch kompliziertere Mittel ausgedrückt und seltener verwendet werden.
Metz, der schon in den 1960er Jahren in ähnlichem Sinne von Punktuierung gesprochen und in dieser Redeweise eine besondere Klasse filmischer Mittel zu isolieren versucht hat, hat in den 1980er Jahren die Überlegungen zur Markiertheit explizit auf das Kino zu übertragen versucht. Ihm geht es dabei vor allem um die Untersuchung autoreferentieller Rückbezüge, die im Film auf die Tatsache verweisen, dass er Element einer kommunikativen Beziehung zwischen der aussagenden Instanz eines Films und dem Adressaten ist und diese reflexiv am Text anzeigt. Filmische Markierungen sind danach isolierbare Elemente der äußeren filmischen Gestalt, die neben allen ihren anderen Leistungen die Tatsache, dass man es mit Film zu tun hat, visuell anzeigen.

Referenzen:

Punktuierung


Artikel zuletzt geändert am 29.07.2011


Verfasser: HJW


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