Lexikon der Filmbegriffe

Gestus

von lat.: gerere = tragen, sich benehmen; verwandt mit ahd.: gibarida = Benehmen, Aussehen, Wesen

Bezieht sich vor allem auf Haltung und Bewegung des Körpers, insbesondere auf das Gebärdenspiel des Redners oder Schauspielers. Oft wird unterschieden zwischen der Geste wie dem Kopfnicken, das eine innere Haltung durch eine körperliche Bewegung ausdrückt, und der weniger konventionalisierten Gebärde, einer Bewegung, die Empfindung oder Willen ausdrückt.
In Lessings Hamburgischer Dramaturgie ist Gestus das Mittel des Schauspielers, das Symbolische oder das Allgemeine der Moral sinnlich bzw. anschaulich zu machen.
Eine andere Lesart stellt die psychologische Realität der Geste heraus – sie wird zum Ausdruck eines inneren Erlebnisses oder einer seelischen Erregung, sie wird expressionistisches Mittel, die das Wesen der Persönlichkeit oder Seele offenbaren können soll. Gerade die hier angestrebte Einheit von Haltung und Ausdruck wurde von Brecht kritisiert, der den Gestus als Ausdrucksgebaren des Kollektiven (insofern als typisierte Verhaltensform) und als Schnittstelle zwischen individueller Angerührtheit und sozialer Zugehörigkeit verstanden wissen wollte. Das Subjektiv-Psychologische wird so zu einem Teil eines sozialen Gesamt, das im Verhalten des Individuums ausgedrückt wird.

Literatur: Engelhardt, Jürgen: Gestus und Verfremdung. Studien zum Musiktheater bei Strawinsky und Brecht/Weill. München/Salzburg: Katzbichler 1984. – Heinze, Helmut: Brechts Ästhetik des Gestischen. Versuch einer Rekonstruktion. Heidelberg: Winter 1992. – Ritter, Hans Martin: Das gestische Prinzip bei Bertolt Brecht. Köln: Prometh-Vlg. 1986.
 

Referenzen:

Geste


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: AS


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