Lexikon der Filmbegriffe

Improvisation

Eine Form des Schauspiels oder der szenischen Gestaltung, bei der der Dialog, die Bewegungen im Raum oder der Umgang mit Objekten nicht durch das Drehbuch vorgegeben sind. Die Szene oder die Handlung der Figuren ist allenfalls grob skizziert, und der Regisseur lässt den Darstellern – oft, aber keinesfalls immer handelt es sich um Laiendarsteller – freie Gestaltungsmöglichkeit, eine Szene konkret umzusetzen. Filme sind meist nicht nicht als Ganzes improvisiert, enthalten aber oft improvisierte Sequenzen. Regisseure wie Robert Altman, John Cassavetes oder Jean-Luc Godard sind bekannt dafür, dass sie ihren Akteuren vor der Kamera während der Aufnahmen große Freiräume geben und sie so an der Entwicklung der Dialoge, u.U. sogar der Handlung beteiligen. Zusätzlich gewinnen sie in diesem Verfahren eine eigene Qualität einer naturalistisch wirkenden Spontaneität und Authentizität des Verhaltens der Figuren. Häufiger wird mit Improvisationen in der Probenphase gearbeitet, vor allem dann, wenn man Situationskomik erreichen will; oft werden erst nach improvisierenden Proben die endgültigen Skripten für die Szene erstellt. Es ist bekannt, dass z.B. die Marx Brothers bei vielen ihrer Filme mit diesem Verfahren arbeiteten.

Beispiele: Warum läuft Herr R. Amok? ( BRD 1969, Rainer Werner Fassbinder); Husbands (USA 1970, John Cassavetes); Der Ruf der Sibylla (Schweiz 1985, Clemens Klopfenstein); Idioterne (Dänemark 1998, Lars von Trier).

Literatur: Viera, Maria: The work of John Cassavetes. Script, performance style, and improvisation. In: Journal of Film and Video 42,3, 1990, S. 34‑40. – Wexman, Virginia Wright: The rhetoric of cinematic improvisation. In: Cinema Journal 20,1, 1980, S. 29‑41. – Zucker, Carole: The illusion of the ordinary. John Cassavetes and the transgressive impulse in performance and style. In: Post Script: Essays in Film and the Humanities 11,2, 1992, S. 20‑26. – Critical Studies in Improvisation, 1, 2004ff, URL: ca/public/csi/index.html" target="_blank">http://journal.lib.uoguelph.ca/public/csi/index.html
 

Referenzen:

ad lip

Extempore

Scharade

Stegreifspiel


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: PB


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