Lexikon der Filmbegriffe

Matthias-Film

Insgesamt 15 evangelische Landeskirchen, evangelische Verbände und Einrichtungen wurden Gesellschafter der Matthias-Film GmbH, die am 3.2.1950 (offiziell: 13.5.1950) gegründet wurde. Die neue Firma hatte die Aufgabe, Lizenzen für geeignete Filme zu erwerben und dafür zu sorgen, dass sie als 16mm-Kopien an Kirchengemeinden verliehen wurden. Am 1.9.1950 begannen mit drei Tonfilmprojektoren die sogenannten „Wandervorführungen“ von Filmen in Kirchengemeinden der gesamten BRD. Insgesamt besuchten 1950 circa 186.000 Personen die Filmabende in den Gemeinden. Seit 1952 begann Matthias-Film, das Verleihangebot konsequent auszubauen. Für eine ganze Reihe von Filmen übernahm die Firma den Kinoverleih. Denn sie sollen getröstet werden (orig.: Cry, the Beloved Country) von Zoltan Korda, ein englischer Spielfilm über den Rassenkonflikt in Südafrika (Großbritannien 1951), wurde zu einem der größten Erfolge. Martin Luther (USA/BRD 1953, Irving Pichel) wurde von Matthias (in Form der Luther-Film GmbH) koproduziert; der Film wurde heftig diskutiert, erhielt 1954 eine Oscar-Nominierung. Ein großer Erfolg war auch der Dokumentarfilm Albert Schweitzer (USA 1957, Jerome Hill), der 1958 Oscar-prämiiert wurde. Pasolinis Il Vangelo secondo Matteo (Italien1964) wurde 1968 ins Programm übernommen (und bis heute für nichtkommerzielle Vorführungen vertrieben).
1955 erreichten kirchliche Filmvorführungen 1,4 Millionen Zuschauer; danach gingen die Besucherzahlen zurück. Allerdings erreichten zwischen 8.000 und 9.000 Abendvorführungen und zwischen 3.000 und 4.000 Jugendvorführungen in den evangelischen Kirchengemeinden noch 1960 1,3 Millionen Zuschauer. 1973 wurden – bei allerdings sinkenden Zuschauerzahlen – 50.000 kirchliche Vorführungen mit Filmen beschickt. 1975 wurde ein Super-8-Verkaufsprogramm aufgelegt, schnell aber wieder eingestellt. 1977 wurden erste Videokassetten als Kaufkassetten vermarktet. Im Dezember 1960 wurde die Eikon Gesellschaft für Fernsehen und Film mbH als Tochter der Matthias-Film gegründet – sie übernahm die Produktion von Fernsehsendungen. Am 1.1.1982 wurde das Evangelische Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) gegründet. Es sollte die Filmarbeit in sogenannten Dritte-Welt-Ländern fördern, Lizenzen von Filmen aus diesen Ländern ankaufen und mittels Matthias-Film vermarkten.
Matthias-Film verlieh seit den 1970ern immer häufiger auch an nicht-kirchliche Einrichtungen in der Jugend- und Erwachsenenbildung, war an wichtigen politischen Diskussionen und Auseinandersetzungen der 1980er – Wiederaufrüstung oder Entwicklungspolitik – beteiligt. Der Filmverleih wurde 1992 eingestellt. Seither ist die Firma ausschließlich ein Medienvertrieb mit einem Schwerpunkt auf anspruchsvollen Kinder- und Jugendfilmen. Dazu gehören auch viele preisgekrönte internationale Produktionen, die in Deutschland keinen Verleih gefunden haben.

Weitere Informationen: http://www.matthias-film.de/.

Referenzen:

Eikon


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: AS


Zurück