Lexikon der Filmbegriffe

vertikale Montage

Vertikale Montage nennt Eisenstein die Montage von Elementen, die Zeitgleichheit oder Gleichzeitigkeit signifizieren sollen; horizontal (oder linear) dagegen ist die Montage von Elementen, die zeitliche Abfolge darstellen. In vertikaler Montage werden vor allem Bild und Farbe, Ton und Musik koordiniert. Entstanden sind die Überlegungen zur Vertikalmontage v.a. während der Vorarbeiten zu dem Film Ivan grosny (dt.: Iwan der Schreckliche), der in zwei Teilen 1943-46 entstanden ist; hier ging es um den Einsatz der Farbe im Zusammenhang mit Ton und Musik. Zwar hatte Alexandrow, Eisenstein und Pudowkin schon im „Manifest für den Tonfilm“ (1928) den kontrapunktischen Einsatz des Tons verlangt, doch gelangte Eisenstein erst mit den Überlegungen zur Integration der Farbe in ein Gesamt filmischer Ausdrucksmittel zu der Vorstellung eines symphonischen Zugleichs der Mittel. Eisenstein hatte zu seinem Film Alexander Newski (1938) mit der Musik von Prokofieff in einer Reihe von Bildern die intendierte Parallelität von Bild, Musik und Bewegung darzustellen versucht, die beiden Medien – Film und Musik – eigen ist. Aufsteigende Linien sind hier mit einer aufsteigenden Tonfolge gleichgesetzt und umgekehrt. Absurderweise geht die Gleichsetzung von Musik und Bild nach Eisensteins Vorstellung so weit, dass die Fahnen der Achtelnoten mit den Fahnen der Krieger im Bild kongruent sein sollten.

Literatur: Ejzenstejn, Sergej Michajlovic: Die Vertikalmontage. Ms. Babelsberg o.J. Zuerst russ. in: Iskusstvo kino, 1, 1941, S. 29-38. Engl. als “Vertical montage“ in seinem: Film Sense. New York: Harcort, Brace and Co. 1947. Auch in: Selected Works. 2. Towards a theory of montage. Ed. by Nichael Glenny & Richard Taylor. London: British Film Institute 1994, S. 327-399. – Thompson, Kristin: Eisenstein‘s Ivan the Terrible. A neoformalist analysis. Princeton, N.J.: Princeton University Press 1981, S. 224-260.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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